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Comenius-Projekt „Together in Europe“ gegen Vorurteile: Gymnasiasten erleben das Abenteuer europäische Vielfalt

Franzosen warten mit Baguette unterm Arm auf die Metro

Bad Nenndorf (tes). Seit Beginn des Schuljahres läuft am Gymnasium Bad Nenndorf das Comenius-Projekt „Together in Europe“, abgekürzt „TIE“. Das hat Projekt-Koordinator Kay Tomhave im Pressegespräch berichtet. Der Titel „TIE“, das englische Wort für „verknüpfen“, stehe für das Ziel der von der Europäischen Union geförderten Partnerschaft mit drei weiteren europäischen Schulen in Champagne (Frankreich), Manchester (Großbritannien) und Warschau (Polen). Alle bearbeiten gleichzeitig ähnliche Themen und Umfragen, um am Ende die Ergebnisse miteinander zu vergleichen, Vorurteile abzubauen und „sich einzulassen auf das Abenteuer europäische Vielfalt“.

veröffentlicht am 05.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:22 Uhr

Wie europäisch bist du? Und was verbindet uns als Europäer? Bis Sommer 2011 gehen die Schüler in den vier Ländern diesen Fragen nach. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden ergründet und in einer zweiten Phase auch außereuropäische Einflüsse thematisiert. Zum Schluss werden alle Erkenntnisse in einem gemeinsamen Buch dokumentiert, das in einer Auflage von etwa 250 Stück erscheinen soll.

„Dem Gymnasium kommt beim Projekt eine Gelenkfunktion zu“, erklärte Tomhave, „weil hier Schüler der achten und neunten Klassen sowie Assistenten aus der Oberstufe beteiligt sind.“ An den Partnerschulen sind nur Jüngere oder Ältere beteiligt. 21 Reisen stehen auf dem Programm. Im November hatten sich jeweils fünf Schüler plus Lehrer in Manchester getroffen.

Um das nächste Gruppentreffen in Frankreich vorzubereiten, stand jetzt ein Projekttag auf dem Programm. Unter dem Oberthema „Wir und unsere Partner in Europa“ erstellten die Schüler Plakate zu Klischees und Vorurteilen über Deutschland und seine Nachbarländer. Das erste Resultat: Franzosen warten mit Baguette unter dem Arm auf die Metro, Engländer stehen mit Regenschirm an der Bushaltestelle – und Polen klauen Autos.

„Über Polen wussten die Schüler am wenigsten“, erklärte der Projektleiter, warum hier die Vorurteile am größten zu sein scheinen. Überraschend der Blick auf altbekannte Klischees über Deutsche. So ist eine Mehrheit der Schüler nicht der Meinung, dass deutsche Autos besser sind. Auch die Einschätzung, Deutsche seien besonders ordentlich, gehört offenbar der Vergangenheit an.

Eine andere Möglichkeit, Europa zu erleben, fanden einige im Sport – beim Rugby. Höhepunkt des Tages war der Besuch einer Klasse beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96, um Mikael Forsell über seine Erfahrungen im Ausland zu befragen (wir berichteten). Andere griffen zum Kochlöffel und kreierten mit Profi-Koch Dieter Jochmann europäische Speisen. Auch Geografie, Geschichte und Kultur der Teilnehmerländer kamen nicht zu kurz. Des Weiteren gab es Interviews mit Personen aus dem europäischen Ausland. In einem Kunstprojekt verfremdeten Teilnehmer von allen vier Schulen europäische Bauwerke (das Brandenburger Tor, Big Ben, den Eiffelturm und den Wawel). Im März wird daraus eine gemeinsame Wanderausstellung. „Das wird spannend“, verspricht Tomhave.

„Unsere Schüler sind fit in Fremdsprachen“, hat Schulleiterin Irmtraud Gratza-Lüthen eine erste positive Zwischenbilanz gezogen. „Viele würden später gerne in europäischen Ländern arbeiten.“ Als Vorbilder, um einen systematischen Zugriff auf die Sprache zu erlernen, nannte die Schulleiterin die Niederlande und Dänemark. An englischen Schulen habe das durch Schüler organisierte Ordnungssystem in den Pausen beeindruckt. Zwei Jahre lang arbeiten die Partner im Comenius-Projekt gemeinsam an der europäischen Identität. Es sei nicht leicht, Schulen und Lehrer zu finden, die mitmachen wollen, berichtete Gratza-Lüthen. Bei allen Unterschieden der Bildungssysteme hätten jedoch länderübergreifend schon jetzt alle beteiligten Lehrer festgestellt: „Wir haben die gleichen Ziele.“




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