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Annette Kahre in der Gesprächsreihe „Nachgefragt“ zur Rolle von Frauen in der Wirtschaft

Frauen muss man in den Vorständen suchen

Bückeburg (bus). Mit einem ziemlich eindeutigen „Ja“ hat Dr. Annette Kahre die Frage „Wird die Wirtschaft weiblicher?“ beantwortet. „Ja, in vielen Bereichen, in der Welt sowieso, in Deutschland nicht so schnell, aber es gibt gute Ansätze“, lautete das während der Gesprächsreihe „Nachgefragt“ gezogene Fazit der Leiterin Öffentlichkeitsarbeit der Melitta-Unternehmensgruppe. Zugleich sprach sich die Referentin gegen die Einführung einer Frauenquote aus: „Ich denke, was Not tut, ist Qualifikation und Leistung und nicht Ideologie.“ Wichtig sei, „dass man auf der Sachebene miteinander umgehen kann“.

veröffentlicht am 24.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:41 Uhr

Die im Museum Bückeburg in Zusammenarbeit der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, des Bückeburger Kulturvereins und des Mindener Preußen-Museums organisierte Reihe widmet sich vornehmlich Themen, die bei Diskussionsabenden herkömmlicher Art zu kurz kommen. Sie richtet sich in erster Linie an Frauen, männliche Begleiter und Interessenten werden aber nicht des Hauses verwiesen. Der relativ überschaubare Veranstaltungsraum sei bewusst gewählt worden, da der kleine Rahmen gegenseitiges Kennenlernen und ungezwungene Kommunikationsformen fördere, erklärten die Organisatoren. Während der aktuellen Zusammenkunft mussten wegen der großen Resonanz sogar einige Besucher mit Plätzen auf den Treppen vorlieb nehmen.

Kahre machte ihre Abneigung gegenüber einer Quotenregelung am Beispiel Norwegen fest. Das skandinavische Land gelte einerseits als Paradebeispiel. Innerhalb von vier Jahren hätten 500 börsennotierte Unternehmen die Frauenquote erfüllt, 40 Prozent aller Aufsichtsratsplätze seien von Frauen besetzt. „Und man kann nicht sagen, dass deswegen die Unternehmen reihenweise in Konkurs gegangen wären“, merkte die Berichterstatterin an. Auf der anderen Seite sei das Beispiel „gar nicht so froh stimmend“. „Zwar wurde die Quote erfüllt, aber im Miteinander in der Geschäftswelt hat sich eigentlich nicht viel verändert, das Geschäftsgebahren ist geblieben, wie es war.“ Mittlerweile ruderten viele Unternehmen zurück und änderten ihre Geschäftsformen, um nicht mehr unter die Quotenregelung zu fallen. Kahre: „Die Top-Managerinnen bilden Seilschaften, man hat zwei konträre Standpunkte und nichts erreicht.“

Wie das Exempel Norwegen aufzeige, müsse die Frage ohnehin differenziert betrachtet werden. Bei der Beantwortung seien wechselnde Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, unterschiedliche Bereiche wie Produktion, Finanzen oder Kommunikation förderten verschiedenartige Antworten zutage.

Die gegenwärtige Situation in der bundesdeutschen Wirtschaft beleuchtend erkannte die Expertin enorme Defizite. „In den 500 größten deutschen Unternehmen arbeiten 2000 Vorstände und nur 49 von ihnen tragen weibliche Vornamen“, erhellte Kahre den derzeitigen Stand der Dinge. Trotz vor einem Jahrzehnt von der Politik gefasster Beschlüsse, die Chancengleichheit zu fördern, Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren, Ausbildungschancen für Mädchen und Frauen zu erhöhen und Lohnlücken zu schließen, trotz Elterngeld, Krippenplatzausbau und Ausbildungsinitiativen habe sich mit Blick auf den Anteil von Frauen in Führungsetagen nichts Wesentliches getan. Die Referentin: „Wir sind auf dem Stand von 2005.“

Ob die Nachricht, dass sich unter den zehn schlechtesten Managern des Jahres nach Angaben einer Fachzeitschrift keine Frau befindet, in diesem Zusammenhang positiv zu bewerten sei, überließ Kahre dem Urteil des Auditoriums. Ermutigend sei jedenfalls eine Feststellung des Siemens-Vorstandes Peter Löscher. Seine Führungsetage sei „zu deutsch, zu weiß und zu männlich“, habe dieser erkannt. Und: „Wir müssen bunter und weiblicher werden.“




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