weather-image
18°
Russische Föderation: Amnesty bittet um Hilfe für Alexandr Kolchenko und Oleg Senzow

Friedlich demonstriert – langjährige Haft

BÜCKEBURG. Weltweit setzt sich die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ (AI) für Menschen ein, die wegen ihrer politischen und religiösen Überzeugung oder ihrer Rasse verfolgt werden, ohne Gewalt angewendet oder propagiert zu haben. Solche Fälle stellt die Vereinigung regelmäßig der Öffentlichkeit vor und bittet, sich mit sogenannten „Briefen gegen das Vergessen“ an die Machthaber des jeweiligen Landes zu wenden und sich damit für die Verfolgten einzusetzen.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 11:06 Uhr
aktualisiert am 11.07.2018 um 15:16 Uhr

Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Gesundheitszustand des Filmregisseurs Oleg Senzow und des Aktivisten Alexandr Kolchenko verschlechtert sich zusehends. Die Männer sind ukrainische Staatsbürger und waren 2014 von Angehörigen des russischen Geheimdiensts (FSB) auf der besetzten Krim festgenommen worden. Am 25. August 2015 wurden sie in einem laut Amnesty unfairen Verfahren vor einem russischen Militärgericht zu 20 beziehungsweise zehn Jahren Haft verurteilt. Sie hatten an friedlichen Demonstrationen gegen die russische Besetzung der Krim teilgenommen und wurden wegen „terroristischer Aktivitäten“ angeklagt. Die Männer wurden auf der Grundlage von Aussagen verurteilt, die wahrscheinlich durch Folter erzwungen worden waren. Oleg Senzow und Alexandr Kolchenko leisten ihre Strafe unter harten Bedingungen in einem Arbeitslager ab.

Laut der Menschenrechtsgruppe Ural wurde Alexandr Kolchenko am 8. März zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen vier Monate für zwei Wochen in Einzelhaft verlegt. Er habe gegen die Kleiderverordnung verstoßen und ohne Begleitung die Gefängnisbibliothek aufgesucht. In der Einzelhaft seien Alexandr Kolchenko die Medikamente für seine Herzrhythmusstörungen verweigert worden. Erst nach Beendigung der Strafmaßnahme am 21. März sei ihm ein Arzneimittelpaket der Menschenrechtsgruppe ausgehändigt worden. Auch der Gesundheitszustand von Oleg Senzow gebe bereits seit längerem Anlass zur Sorge, wie seine Schwester mitteilte. Seit er am 14. Mai einen Hungerstreik begann, verschlechtere sich sein Gesundheitszustand jedoch rapide. Seine Cousine wollte ihn besuchen und er habe sich geweigert, sie zu empfangen – vermutlich, weil sie ihn in seinem Zustand nicht sehen soll. Oleg Senzow fordert die Freilassung aller ukrainischen Gefangenen aus russischer Haft.
„Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe an den russischen Generalstaatsanwalt und fordern Sie, dass die Anklagen wegen terroristischer Aktivitäten gegen Oleg Senzow und Alexandr Kolchenko fallgelassen werden. Bitten Sie darum, die Männer freizulassen oder nachvollziehbare Anklagen gegen sie zu erheben. In einem solchen Fall müssten sie auf der Krim unter ukrainischem Recht vor Gericht gestellt werden. Dringen Sie zudem auf eine sofortige, wirksame und unparteiische Untersuchung aller Folter- und Misshandlungsvorwürfe. Außerdem muss sichergestellt werden, dass Oleg Senzow und Alexandr Kolchenko gemäß den UN-Mindestgrundsätzen für die Behandlung von Gefangenen behandelt werden und uneingeschränkten Zugang zu jeder nötigen medizinischen Behandlung erhalten.“
„Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch an: Yurii Yakovlevich Chaika, Prosecutor General’s Office, ul. B. Dmitrovka, d. 15a, 125993 Moscow GSP-3, Russische Föderation, Fax: 007/4959875841 oder 007/4956921725 (Anrede: Dear Prosecutor General/Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt) (Standardbrief Luftpost bis 20 g: 0,90 Euro).“
„Senden Sie bitte eine Kopie Ihres Schreibens an: Botschaft der Russischen Föderation, S. E. Herrn Sergei Nechaev, Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin, Fax: 030/2299397, E-Mail: info@russische-botschaft.de (Standardbrief: 0,70 Euro).“

In Schaumburg kümmert sich die Amnesty-Gruppe 1019 um politische Gefangene. Dort können vorbereitete Briefe und Informationen bezogen werden: AI-Gruppe 1019 Schaumburg, Postfach 200121, 31669 Bückeburg; E-Mail: ai-schaumburg@gmx.de.

red




Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Kommentare