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Was die „Negenklauken“ (Neunmalklugen) nicht wissen, finden die Plattdeutsch-Freunde im Netz

„Friee Nokieksel“: Mal nachgucken im Internet

Bückeburg (bus). „Uns geht es in erster Linie um die Erhaltung der plattdeutschen Sprache“, sagt Alfred Barkhausen und fügt hinzu: „Zumindest in unserem Kreis.“ Mit „unserem Kreis“ meint der Bückeburger die „Negenklauken“, die an jedem zweiten Dienstag im Monat in der Gaststätte „Fenkner“ zusammenkommen, um in der niederdeutschen Mundart zu parlieren. Dass es bei den Zusammenkünften nicht selten auch ein wenig hintersinnig zugeht, lässt bereits die selbstironisch gemeinte Eigenbezeichnung (hochdeutsch: die Neunmalklugen) erahnen.

veröffentlicht am 17.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:21 Uhr

„Viele der vorgelesenen Geschichten sind lustiger Natur“, gibt der Mitbegründer der gegenwärtig etwa 20 Frauen und Männer umfassenden Gruppe zu verstehen. Das sei in der Vorgängergruppe nicht immer der Fall gewesen. Zudem habe diese keine Frauen in ihren Reihen geduldet und sich streng auf das Bückeburger Platt beschränkt. „Wir sind für das gesamte Niederdeutsche offen, und auch Personen, die überhaupt kein Platt sprechen und uns nur zuhören wollen, sind uns willkommen“, erklärt Barkhausen. Das mag nicht zuletzt ein wenig damit zu tun haben, dass den Negenklauken der Nachwuchs auszugehen droht. Der Kreis besteht seit 30 Jahren, das Alter der Mitgliedschaft liegt zwischen 70 und 90.

„Es muss versucht werden, die niederdeutsche Sprache bereits in den Kindergärten und Schulen Fuß fassen zu lassen“, sind die Mitglieder einer Meinung. Erste Ansätze in dieser Richtung seien positiv zu bewerten aber durchaus noch ausbaufähig. Dabei ist es derzeit ums Niederdeutsche gar nicht so schlecht bestellt. So sind alle Juli-Termine der aktuellen Tournee von Ina Müller restlos ausverkauft. Die viel beschäftigte Frau hat zeitgenössischen Musiktiteln zu plattdeutschen Texten verholfen und stößt damit auf großes Interesse. Textprobe: „Wi wulln doch tohoop noch los to’n Peer klaun / wi weern doch dorbi’n Schlott ut Luft to baun / oh, dor hett mol wat brennt, dat is nu koolt / un nich wi, blots unse Liebe is olt / dat sünd nich wi, blots unse Liebe is olt.“ Das Original stammt übrigens von einem gewissen Gordon Matthew Sumner, der vielen Lesern unter seinem Künstlernamen „Sting“ ein Begriff sein dürfte. Das Lied heißt auf englisch „Fields Of Gold“.

Zudem erfreut sich im Internet das an die Plattform „Wikipedia“ angelehnte „Friee Nokieksel“ großer Beliebtheit. Een Nokieksel (ook: Nakieksel) is een Book, wo een wat nokieken kann. In mennig Spraaken heet dat Lexikon, Lexicon ellers ook dictionary un dictionarium. Wenn een Nokieksel good wat binn hett, denn ward dat ook encyclopedy, encyclopaedia ellers Enzyklopädie naamt. To’n Beispill de Encyclopedia Britannica un de Brockhaus. Un de ingelsche Wikipedia is meist dat dickste Nokieksel in dat Internet. Üm de Artikels to finnen, de di intresseert, kannst du glieks op de Hööftsiet links in dat Feld „Söken“ dat Woort ingeven, dat du söchst.

Mitte Juli verfügte das Nachschlagewerk über immerhin mehr als 16 000 Artikel. Den Bückeburger Negenklauken war noch kein eigener Beitrag gewidmet. Was sich aber ändern kann. Barkhausen ist derzeit damit beschäftigt, eine Chronik der zurückliegenden drei Jahrzehnte zu verfassen.




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