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Bestatter und Buchautor berichtet über ungewöhnliche Formen der Trauerbegleitung

Fritz Roths anderer Umgang mit dem Tod

Bad Pyrmont (Hei). Seine frühe Sehnsucht war es, Priester zu werden. Doch stattdessen wurde der Bauerssohn und Klosterschüler Fritz Roth Diplom-Kaufmann und Unternehmensberater. Vor 25 Jahren fand der Bergisch Gladbacher dann eine ganz neue Aufgabe: Er wurde Bestatter, eröffnete in seiner Heimatstadt ein Bestattungshaus, gründete eine private Trauerakademie, schrieb Bücher und hat sich inzwischen auch im Fernsehen einen Namen gemacht.

veröffentlicht am 22.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.03.2010 um 10:20 Uhr

Am Vorabend des Totensonntags war er beim Pyrmonter Hospizverein im Rathaus zu Gast. Anlass war das 15-jährige Bestehen des Vereins. Und dafür verschob Fritz Roth sogar eine Talkshow mit Markus Lanz, wie er erzählt. Mit seinen ungewöhnlichen Ideen stößt der 60-Jährige oft auf Widerspruch, wie er selbst unumwunden zugibt. ,,Unsere Gesellschaft muss umdenken und offener werden für neue Formen der Trauerbegleitung und der Bestattungsformen“, betont er und verwirklicht diesen Vorsatz schon jetzt in seiner Trauerakademie.

Dort sind die Angehörigen Tag und Nacht bei ihren Verstorbenen, dürfen sie waschen, ankleiden und Totenmasken von ihnen anfertigen, den Sarg eigenhändig bauen und ihn bemalen, Beigaben mit hineinlegen und die Trauerfeiern, die sogar nachts stattfinden können, selbst gestalten. Durch diese aktive Bewältigung der Phase zwischen Todeszeitpunkt und endgültigem Abschied sei der Verlust am ehesten zu verarbeiten, ist Roth überzeugt.

„Für die Hinterbliebenen ist der Tod wie eine Amputation, sie brauchen Krücken und Gehhilfen, um wieder in Tritt zu kommen und das Leben leise neu zu lernen. Dabei muss ihnen die Gemeinschaft Mut machen“, fordert Roth und interpretiert das Wort „Nachbar“ auf ganz neue Art: „Für mich bedeutet das auch: nach der Bahre gehen.“ So würde Roth es begrüßen, wenn, wie früher üblich, der Trauerzug vor einer Beerdigung durch die ganze Gemeinde geht.

Zur Bewältigung des Verlustes bietet Roth auch Gesprächskreise an und sogar Single-Kochkurse: „Die Hinterbliebenen müssen lernen, für sich allein zu sorgen und ihren Alltag neu zu gestalten“, unterstreicht er. Die Menschen sollten aber auch lernen, sich rechtzeitig mit dem eigenen Tod zu befassen. So hat Roth für sein Buch ,,Einmal Jenseits und zurück“ 100 Prominente gebeten, einen Koffer für ,,die letzte Reise“ zu packen, mit den Dingen, die ihnen wichtig sind.




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