weather-image
×

Zu Hause beim Samtgemeindebürgermeister-Kandidaten der CDU: Bernd Schönemann - Ausgleich beim Radfahren

"Früh morgens schafft man von der Arbeit am meisten"

Eilsen. Der Mann, der Samtgemeindebürgermeister werden will, steht mit der Bedienung von Waschmaschinen auf Kriegsfuß - "und wenn ich einkaufe, sind 20 Prozent der Artikel, die ich nach Hause bringe, die falschen", sagt Bernd Schönemann und muss über sich selbst schmunzeln. Dass der 48-jährige Eilser Amtsrat, der mir im Wohnzimmer des 1989 errichteten Baumeister-Hauses Harrlallee 3c gegenübersitzt, kleine Schwächen zugibt, ist eine große Stärke.

veröffentlicht am 07.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:22 Uhr

Autor:

In den weißen Rosenthal-Tassen schwappt fair gehandelter Bio-Kaffee. Aschenbecher suche ich vergeblich. Schönemann sieht den Blick. "Das Rauchen habe ich 1994 aufgegeben. Bis zu fünf Pfeifen am Tag waren zuviel." Wir schmunzeln beide. In der Ecke des Wohnzimmers, umgeben von Landhausmöbeln, tickt eine Standuhr, Baujahr 1910. Sie stammt von Schönemanns Großmutter und geht auf die Minute genau. Tochter Lena, ein drei Jahre alter süßer Fratz mit dem Aufdruck "Sweatheart" auf dem T-Shirt, sitzt neben dem Vater und knabbert einen Schokokeks; auf dem Sofa hat sich Kater Minchen zu einem Knäuel zusammen gerollt. Wie sieht der Alltag des Mannes aus, der - parteilos - für die CDU das Rennen um die Wischnat-Nachfolge machen soll, möchte ich wissen. "Ich versuche", sagt Schönemann, "immer zwischen 7 und 7.30 Uhr im Rathaus zu sein. Früh morgens schafft man von der Arbeit am meisten. Dann steht das Telefon oft noch still." Obwohl's nur drei Minuten Fußweg sind,nimmt der Amtsrat seinen Mazda 626. Der ist als Dienstwagen anerkannt. "Weil's oft Außentermine gibt, kann ich auf das Auto nicht verzichten", sagt er. Frühstück auf die Hand gibt's im Dienstzimmer. Wer die Post holt, bringt ihm in der Regel ein Brötchen mit. Mittag gegessen wird zu Hause. Danngeht's zurück ins Rathaus. Dienstschluss ist - außer mittwochs und freitags - meist zwischen 16 und 17 Uhr. Und dann? "Wenn keine Sitzungen sind", sagt Schönemann, "warten Hausaufgaben". Bügeln etwa ist in der Aufgabenverteilung zwischen ihm und Ehefrau Jutta sein Part. Ebenso Rasenmähen. Ist das Wetter gut, schwingt sich der Amtsrat aufs Tourenrad. "Dabei kann ich am besten abschalten." Seine Lieblingsstrecke ist 21 Kilometer lang; er strampelt eine gute Stunde. Der Rest der Zeit gehört der kleinen Familie. Die Flimmerkiste spielt eine untergeordnete Rolle. Etwas Sport, ab und an eine Politsendung oder eine Reisedoku - das war's. "Kürzlich waren wir 14 Tage auf einem Hof in Unterjoch (Allgäu). Da haben wir den Apparat nicht einmal angestellt", sagt Schönemann. Irgendwann zwischen 22.30 und 23 Uhr erlischt im Wohnzimmer an der Harrlallee 3c dann das Licht. Bett-geh-Zeit. "Lesen Sie noch?", möchte ich wissen. Schönemann holt zwei Bücher hervor. "Halt durch Papa! - Geschichten aus dem Familienalltag"; von Kester Schlenz steht auf dem Titel. "Das habe ich gerade durch", schmunzelt der 48-Jährige. "Und das hier", sagt er und tippt auf den Buchdeckel, "habe ich gerade angefangen": Reinhold Ruthe: "Wege zur Gelassenheit". Er wird sie in den nächsten Wochen brauchen können. Auch für Bernd Schönemann hat der Wahlkampf justament begonnen. Das derzeit wichtigste Anliegen des Amtsrats, der in 14 Jahren Rathaus eine Fülle von Leitungsfunktionen bekleidet hat: "Die etwa 25 Kindergartenplätze schaffen, die bis Frühjahr 2007 fehlen werden." Kurzfristig, so Schönemann, könnten diese Plätze unterhalb des neu renovierten Gemeindehauses bereit gestellt werden. Die Bereitschaft der Kirche sei grundsätzlich vorhanden, der Beschluss des Vorstands stehe noch aus. Die Kosten immer im Blick, sei später ein Anbau an das Jugendzentrum denkbar - mit allen Synergieeffekten, die sich aus der Nachbarschaft zu Kindergarten und Schule ergäben. Ganz wichtig für den Amtsrat ist aber auch, den Internetauftritt der Samtgemeinde komplett zu überarbeiten und darüber hinaus großflächige Lücken in den Bau- und Gewerbegebiete in seperaten Faltblättern zu bewerben. Lesen Sie morgen: Zu Hause bei SPD-Bewerber Oliver Keller. Kommt hinzu: Am 29. August findet - moderiert von dieser Zeitung - um 19 Uhr im Heeßer Krug eine öffentliche Podiumsdiskussion mit beiden Kandidaten statt.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige