weather-image
34°
×

Das Schulfach „Politik“ wird für siebte Klassen zum Erlebnis

Frühstückspause mit Hammelsprung

Loccum/Hannover (ade). Ein eigenes Dorf haben die siebten Klassen der Loccumer Realschule aufgebaut, haben den Hammelsprung erlebt und sind Minister und Landtagspräsidenten geworden. Bei Diskussionen mit Land- und Bundestagsabgeordneten haben sie ihren Einstieg in das Schulfach „Politik“ jenseits von Politikverdrossenheit erlebt.

veröffentlicht am 24.02.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:42 Uhr

„Herr Jonck, Sie haben das Wort.“ Mit größtem Selbstverständnis hatte Sarah den Platz des Landtagspräsidenten für sich beansprucht und erteilte nun ihrem Lehrer das Wort. Burkhard Jonck schluckte schon ein wenig, als er an das Rednerpult im Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages treten sollte, wollte seinen Schülern dann aber doch in nichts nachstehen. Während Sarah die Sitzung leitete, hatten die Abgeordneten Karsten Heineking (CDU) und Grant Hendrik Tonne (SPD) auf den Ministersitzen Platz genommen, manche Schüler taten es ihnen nach. Die „Abgeordneten“ unter den Schülern geizten derweil nicht mit Fragen an die wirklichen Abgeordneten.

Wie kann das Schulfach Politik, das für die Realschulen erstmals in der siebten Klasse vorgesehen ist, so gestaltet werden, dass die Schüler es nicht nur als langweilig empfinden? Diese Frage stellte sich Lehrerin Petra Kreter, entschied sich für einen erlebnisreichen Einstieg und lud den Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy, zu sich ein. Wie Entscheidungen im Bundestag getroffen werden, was solch ein Politiker den ganzen Tag macht und welches denn wohl der nächste Kino-Film ist, den er unbedingt sehen will, wollten die Schüler von ihm wissen. Außenpolitik machte Edathy ebenso zum Thema wie Gesamtschulen. Entscheidungen zu Schulen seien jedoch, so erklärte Edathy, eine Angelegenheit der Länder. Der folgerichtige Schluss für Klassenlehrer und Schüler war ein Besuch des Landtages.

In bester Eintracht und mit kleinen Sticheleien führten die Abgeordneten Heineking und Tonne die Siebtklässler durch das Leineschloss bis in den Plenarsaal. Welche Wohltat, dass dort für diesen Tag keine Debatte angesetzt war, denn so konnten Sarah, Isabell und Jaquelyn den Vorsitz übernehmen und Heineking sich im fingierten parteipolitischen Streitgespräch vehement für die Herabsetzung des Wahlalters auf 14 Jahre einsetzen. Um die Frage nach den Türen, über denen die Worte „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ stehen, nicht nur erklärt zu bekommen, sondern dieses Abstimmungsverfahren auch selbst auszuprobieren, befand das Präsidium die Abstimmung zum Wahlalter als unklar und schickte Schüler und Lehrer zum „Hammelsprung“ vor die Tür. Das Votum aus der Schülerschaft war eindeutig: Während 20 Schüler die Tür mit dem „Ja“ wählten, gingen 14 unter „Nein“ in den Plenarsaal. Sieben Unentschlossene nahmen die mittlere Tür.

Die Reste ihres Frühstücks vom Präsidiumstisch räumend, war für „Landtagspräsidentin“ Sarah klar: Politik ist etwas, das sie sich für ihr späteres Leben auch einmal vorstellen kann.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige