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Vor Gericht: Multi-Millionär acht Stunden lang festgehalten / "Ganz schlimmes Gewaltdelikt"

Fünf Jahre Haft für die Entführung von Mike H.

Landkreis / Bad Münder

veröffentlicht am 16.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

(tis). Die Urteile im Prozess um den entführten und erpressten Multi-Millionär Mike H. aus Bad Münder sind gesprochen. Die 2. große Strafkammer des Landgerichts Hannover verurteilte gestern Gunther K. (55) aus Rehren, Bassam S. (28) aus Lindhorst und Janosch P. (22) aus Sachsenhagen zu je fünf Jahren Haft wegen erpresserischen Menschenraubs. Außerdem verfügte das Gericht die Einziehung von Fahrzeugen der Verurteilten - sie seien als "Tatwerkzeug" benutzt worden. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Helfried Teschner sah es als erwiesen an, dass die so genannte Dreier-Bande gemeinsam Mike H. entführt hat, um von ihm sechs Millionen Euro zu erpressen. Die Angeklagten waren geständig, was ihnen positiv angerechnet wurde. Für die Täter, so der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung, spreche auch, dass sie keine oder nur geringe Vorstrafen haben, familiär eingebunden und nicht als Schwerverbrecher anzusehen sind. Außerdem habe das Opfer keine bleibenden Schäden erlitten. Einen minder schweren Fall konnte das Gericht aber nicht erkennen. "Es ist ein ganz schlimmes Gewaltdelikt, das hier passiert ist", stellte Teschner heraus. Die Tat sei genau vorbereitet und organisiert worden, der Geschäftsmann aus Bad Münder zuvor ausspioniert worden. Auch hätten die drei Angeklagten für ihn ein Gefängnis vorbereitet und den 32-Jährigen mit einem Sack über dem Kopf acht Stunden lang festgehalten. Das Gericht schloss sich mit dem Strafmaß den Forderungen der Staatsanwaltschaft an, die auf fünf Jahre al s Mindeststrafe für erpresserischen Menschenraub plädiert und die Einziehung der Fahrzeuge beantragt hatte. Verteidiger Burkhard Papendick aus Hameln hatte für seinen Mandanten Gunther K. ebenfalls auf fünf Jahre Haft plädiert, führte zu Gunsten seines Mandanten an, dass man das Opfer wieder freigelassen habe, nachdem erkannt wurde, dass die sechs Millionen Euro nicht so leicht zu bekommen waren. Der Rechtsanwalt von Bassam S., Claus Roggemann, hatte noch versucht, auf einen minder schweren Fall zu plädieren, wollte eine Strafe zwischen zwei und drei Jahren erreichen, um eine Abschiebung des Libanesen zu verhindern - er scheiterte. Wird das Urteil rechtskräftig, muss Bassam S. Deutschland verlassen. Verteidiger Dr. Dr. Jost Heinrich Uhlmann hatte für seinen Mandanten Janosch P. ebenfalls fünf Jahre Haft gefordert, falls das Gericht nicht einen minder schweren Fall annehmen sollte. Die drei Männer wurden nicht sofort in Haft genommen. Ihre Haftbefehle werden zwar aufrecht erhalten, bleiben aber gegen Auflagen und eine Kaution außer Vollzug.




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