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Auf Grillparty Ersatzdroge getrunken

Für Überdosis Methadon: Opfer will 14 000 Euro

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Überdosis beim Grillen: Ein Jahr nach einer lebensbedrohlichen Vergiftung mit der Ersatzdroge Methadon (wir berichteten) klagt das Opfer in einem Zivilprozess vor dem Bückeburger Landgericht auf 14 000 Euro Schmerzensgeld. Gescheitert ist ein Vergleichsvorschlag von Richterin Dr. Birgit Brüninghaus über 7000 Euro.

veröffentlicht am 16.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

Wer in fröhlicher Runde nach einem kühlen Getränk greift, denkt normalerweise an nichts Böses. Auf einer Gartenparty in Obernkirchen hat einer der Gäste anschließend den nackten Horror erlebt. Der Mann hatte sich aus Mineralwasser und Orangensaft einen Durstlöscher gemixt. Was er nicht wissen konnte:In der Wasserflasche war Methadon. Der rauschgiftsüchtige Hausherr hatte sich im Keller einen Vorrat gestohlener Drogen angelegt, bei der Grillparty landete die Flasche versehentlich auf dem Tisch. Die gesundheitlichen Folgen für den ahnungslosen Gast waren dramatisch: Krampfanfall, Atemstillstand, Koma, künstliche Beatmung. Zwei Wochen musste der Patient im Bückeburger Krankenhaus Bethel bleiben, zehn Tage davon auf der Intensivstation. Sein Leben hing am seidenen Faden. "Wenn ich fünf Minuten später in die Klinik gekommen wäre, würde ich hier nicht mehr sitzen", sagt er. Unabhängig davon ist viel Zeit verstrichen an jenem Nachmittag im September, und dafür macht der Kläger den Gastgeber verantwortlich. Nachdem sich erste Vergiftungserscheinungen gezeigt hatten, verwischte der Obernkirchener die Spuren, spülte Glas und Flasche aus. Bis zuletzt verschwieg er den Helfern, dass darin Methadon war. "Wie paralysiert und handlungsunfähig" will er gewesen sein. Für Richterin Dr. Brüninghaus zieht diese Argumentation nicht: "Der Beklagte hat zielgerichtet gehandelt. Er wollte vertuschen und muss zur Verantwortung gezogen werden." Im Vorfeld des Zivilprozesses hatte das Bückeburger Amtsgericht den 40-Jährigen in einem Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Nun geht es um Bares. Zu den 14 000 Euro Schmerzensgeld sollen nach den Vorstellungen des Klägers noch einmal rund 700 Euro Schadensersatz kommen. "Das erscheint mir sehr hoch gegriffen", machte die Richterin bereits klar. "Deutsche Gerichte greifen bei Schmerzensgeldforderungen nicht so tief in die Tasche wie amerikanische." Die von der 2. Zivilkammer vorgeschlagenen 7000 Euro werden vom Kläger, der noch heute an den seelischen Folgen leidet und einen verbitterten Eindruck macht, bisher nicht akzeptiert. "Bei 10 000 wäre eine Einigung möglich", ließ dessen Rechtsanwalt Oliver Theiß verlauten. Für Dr. Volkmar Wissgott ("Meinem Mandanten tut alles sehr Leid"), der den Obernkirchener vertritt, scheinen 7000 Euro die Grenze zu sein. Nun sieht es so aus, als müsse die Kammer ein medizinisches Gutachten einholen, bevor es zu einem Urteil kommt. Eine der denkbaren Fragen an den Sachverständigen: Wäre der Patient schneller genesen, wenn die Ärzte sofort gewusst hätten, dass eine Vergiftung mit Methadon vorlag?




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