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Die Neuen im Rat: Elena Bachmann für die CDU gewählt / Wichtigstes Ziel: Integration

Für die Aussiedlerfamilien im Stadtrat

Obernkirchen (cok). In Obernkirchen gibt es etwa 150 Aussiedlerfamilien, die seit den neunziger Jahren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugezogen sind und - mehr noch als die Bergstadt-Italiener - eher für sich bleiben. Jetzt aber haben sie erstmals eine politische Vertreterin aus ihren Reihen im Stadtrat, Elena Bachmann (37), ehemalige Lehrerin aus Kasachstan.

veröffentlicht am 06.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

"Für Deine Leute bist Du die Beste, Du kannst sie verstehen", so hatte ein altes befreundetes Ehepaar aus Obernkirchen die herzliche und wortgewandte Frau zum politischen Engagement aufgefordert. Elena Bachmann, Mutter von zwei Kindern, hätte noch einmal studieren müssen, um hier an einer Grundschule unterrichten zu dürfen. Sie arbeitet seit sechs Jahren als Betreuerin für die beiden alten Leute, mit denen sie oft beim Tee über politische Angelegenheiten und die Situation der "Russlanddeutschen" vor Ort diskutiert. "Unsere Kinder integrieren sich hier schnell", meint sie. "Aber dieÄlteren haben es schwer. Obernkirchen gefällt mir sehr, aber auch ich brauchte Jahre, um mich hier heimatlich zu fühlen." Die Aussiedler seien insgesamt stille Leute, die in ihrem Kreis, unter ihren Verwandten bleiben. Als Elena Bachmann von Haus zu Haus ging, um sich vorzustellen, wunderten sich viele, dass jemand von ihnen sich politisch engagieren will. Wünsche geäußert, Vorschläge gemacht, nein, das habe niemand. Die meisten hiesigen Aussiedler stammen aus Kasachstan, wohin sie aus der Wolgarepublik während und nach dem Zweiten Weltkrieg als mögliche Staatsfeinde zwangsweise umgesiedelt wurden. Gerade, als sie sich dort einigermaßen arrangiert hatten, brach die Sowjetunion zusammen, die Kasachen bildeten ihre eigene Regierung und für die anderen Volksgruppen wurde das Leben ungemütlich. Fast alle Deutschstämmigen nutzten die Möglichkeit der Auswanderung, "Die kasachische Sprache und Kultur ist uns fremd und niemand will mehr dorthin zurück", sagt Elena Bachmann, in deren Familie noch ein deutscher Dialekt gesprochen wurde. "Umso wichtiger ist es, dass die Aussiedlerfamilien hier noch besser integriert werden." Vor allem die erst spät Zugezogenen haben oft noch ernste Sprachprobleme, und sie wünschte, dass es berufsbezogene Sprachkurse gäbe, die den Einstieg in eine qualifizierte Arbeit erleichtern würden. Dass sie für die CDU kandidierte, kommt nicht von ungefähr. "Helmut Kohl und seine Partei haben so viel für die Aussiedler getan. Dadurch war das für mich nur selbstverständlich!" Sie ist dem Schulausschuss beigetreten und wird ihre Aufmerksamkeit vor allem den Belangen der Jugendlichen widmen, natürlich den Gedanken der Integration immer im Hinterkopf. "Ich will ja nicht die Welt auf den Kopf stellen!", sagt die neue Obernkirchener Ratsfrau. "Ich lerne noch und werde sehen, wo ich meine Kräfte gut einsetzen kann."




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