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Blinden-Lesung in der Stadtbücherei Bückeburg nur schwach besucht

Für die komplette Bibel brauchen Blinde einen großen Bollerwagen

Bückeburg (wk). Zu einer Lesung der besonderen Art hat die Gruppe Schaumburg des Blinden- und Sebehindertenverbandes Niedersachsen eingeladen: In der Stadtbücherei trugen Rosel Kohlmeier und Karola Steinert kleine Passagen aus den Werken „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exepury und „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch vor, die in der Blindenschrift Braille gedruckt waren.

veröffentlicht am 18.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 20:21 Uhr

Sechs Punkte bilden bei der Brailleschrift das Raster für 64 Kombinationsmöglichkeiten, mit denen die einzelnen Buchstaben dargestellt werden, erläuterte die Bodenwerderin Kohlmeier. Darüber hinaus gebe es eine spezielle Kurz- und eine Stenoschrift, mit der bestimmte Buchstabengruppen zu einem Zeichen zusammengefasst werden, was einen schnelleren Schreib- und Lesevorgang ermöglicht.

So glitten die Finger der beiden Frauen denn auch flink über die Seiten der großformatigen Bücher, um die winzigen, erhabenen Punkte der 1825 vom Franzosen Louis Braille entwickelten Tastschrift zu erfühlen. Und ebenso flüssig und zudem gut betont rezitierten sie die auf diese Weise erlesenen Texte.

Zwar gebe es heute sogar eine auf einem Acht-Punkte-System basierende Computerschrift für blinde Menschen, im Alltag sei die Tastschrift jedoch noch viel zu selten anzutreffen, beklagte Kohlmeier. Lebensmittelverpackungen etwa sollten auch in Braille beschriftet werden, um Sehbehinderten den Einkauf zu erleichtern. Zudem könne man sich in normalen Büchereien statt in Blindenschrift gedruckten Büchern allenfalls Hörbücher ausleihen, die jedoch oftmals inhaltlich gekürzt sind. Ungelöst dürfte laut Kohlmeier indes das Problem bleiben, dass Bücher in Brailleschrift einen merklich voluminöseren Umfang im Vergleich zu konventionellen Büchern aufweisen: Eine Blindenbibel beispielsweise umfasse mehr als 30 Bücherbände. „Da muss man einen Bollerwagen mitnehmen, wenn man die alle lesen will.“

„Es ist schön, wenn sich Menschen mit einer Behinderung nicht hinter dem Sofa verkriechen, sondern in die Öffentlichkeit gehen“, resümierte Bärbel Steffen aus Petershagen. Schade sei dagegen, dass nur so wenig Zuhörer (insgesamt waren es zwölf) zu der Lesung gekommen waren. Möglicherweise habe dies an einem zu kurzen Terminvorlauf gelegen, mutmaßte die Obernkirchenerin Renate Ernst.




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