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Erste Bückeburger Jamsession des Jahres im Hofcafé „Peetzen 10“

Furioser Start

Petzen. Alles Marmelade: Einen furiosen Start ins neue Jahr hat der Musikertreff im Hofcafé „Peetzen 10“ hingelegt. Hausband und Gäste muckten, „bis der Arzt kam“ – rund 90 Zuhörer waren restlos begeistert.

veröffentlicht am 06.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:22 Uhr

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Kultur wird in Bückeburg großgeschrieben, das dürfte bekannt sein. Der Kulturverein sorgt für eine spannende Auswahl an klassischen Konzerten, dazu kommt das hervorragende Angebot der Stadtkirchengemeinde. Gleiches gilt, wenn auch in einem anderen Genre, für Liebhaber handgemachter Rock- und Blues-Musik. Zum einen gibt es zahlreiche heimische Bands, die sich dieser Stilrichtung verschrieben haben, zum anderen die sogenannten (Musiker-)Kneipen, die Konzerte und Jamsessions anbieten. Von Letzteren gibt es in Bückeburg gleich drei: einmal im „Känguruh“, dann in der „Schraub-Bar“ und schließlich im Hofcafé „Peetzen 10“.

Der älteste und ehrwürdigste dieser „Muckertreffs“ dürfte der Jam im „Känguruh“, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Hier mucken lokale Größen wie Tom Freitag, Mastermind des Hamelner Clapton-Tribute-Projekts „Claptonmania“ oder Olli Schröder („Skyliner“, „Molle’s Tough Cocktail“). Etwas jünger ist der Jam im Peetzen 10, der Ende 2008 von Volker Kohlmeier gegründet wurde – also kurz nach der Eröffnung des Hofcafés. Diese Abende hatten zunächst keinen festen Ablauf, man sprach die Stücke spontan ab und spielte los. Das Programm bestand überwiegend aus Standards aus dem Jazz-, Latin- Fusion- und Folkbereich.

Seit dem Jahr 2009 hat jeder Abend einen Themenschwerpunkt, die Musiker werden im Vorfeld per E-Mail informiert. Für die Organisation sind die Mitglieder der Hausband „The Fabulous Baker Boys“ (Martin Flathe, Christoph von Storch und Carlos Baker) zuständig. Sie bilden eine Art Rumpfbesetzung, wobei Gastmusiker „immer herzlich eingeladen sind, mitzuspielen und eigene Ideen einzubringen“.

Von den anderen Jams unterscheiden sich die Petzener vor allem thematisch. „Wir haben einen anderen Schwerpunkt als die Jams in der Schraub-Bar oder im Känguruh“, sagt Martin Flathe, der in der Hausband am Schlagzeug sitzt. Für jeden Abend wird ein Thema vorgegeben, das kann Eric Clapton sein, Bob Dylan oder die „American Storytellers and Songwriters“, wie etwa Leonard Cohen. „Wir haben eine große Bandbreite“, unterstreicht Flathe. Und: „Wir sind immer offen für Neues.“ Er selbst würde gerne einmal einen Stevie-Wonder-Abend machen, „mal sehen, vielleicht in diesem Jahr“, sagt Flathe. Erstaunlich groß ist der Musikerkreis, den der Jam in Petzen anzieht, Flathe schätzt die Zahl auf „mehr als 30“. „Wir sprechen einen relativ großen Kreis an,“ gibt der Mitorganisator zu bedenken. „Viele kommen aus Minden oder Porta Westfalica.“ Was ihn selbst am „Jammen“ reizt? „Das gemeinsame Spiel mit vielen unterschiedlichen Musikern. Da bringt jeder eigene Ideen mit.“

Grenzüberschreitend wie der Kreis der Musiker ist auch die Musik, die an diesem Abend gespielt wird. Den Anfang machen lateinamerikanische Rhythmen, die zum Mitwippen animieren und einfach gute Laune machen. Martin Flath springt hinter seinem Schlagzeug hervor und schnappt sich die schrappende Guacharaca. Ein anderer Musiker gibt den Takt auf seinen Congas vor. Dann das erste Highlight: eine karibisch angehauchte Version des bekannten Sting-Klassikers „Every breath you take“ – mit Carlos Baker als Sänger. Der baumlange Musiker beweist hier, dass er nicht nur Bass spielen kann. Nach einer ersten Pause legen die Musiker eine härtere Gangart ein. Bei „Sweet Home Chicago“ geht es richtig zur Sache – Claptons „Bell Bottom Blues“ setzt noch einen drauf. Den Schlusspunkt setzt wieder Sting: „Tears from the Stars“, gesungen mit leicht brüchiger Stimme. Einfach toll!

Überhaupt ist es erstaunlich, wie sich hier alles ohne Dirigent und ohne Noten (zusammen)findet. „1,2,3, let’s play“ sagt Carlos Baker – und der Jam beginnt. Lange Soli und spannende Improvisationen, all das ist an diesem Abend erlaubt und erwünscht. Ein Jam, das bedeutet eben auch, sich musikalisch austoben zu können, seiner Spiellust Leine zu geben – den Zuhörer freut’s!




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