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Antenne abgerissen oder ungutes Ende für neun Kilo schweren Vogel? / Medien spekulieren weiter

Gänsegeier "Gonzo" meldet sich nicht mehr

Sachsenhagen (jpw). Seit mehr als einem Monat hat sich "Gonzo" nicht mehr per SMS in der Wildtier- und Artenschutzstation gemeldet. Entweder ist der Sender auf dem Rücken des Gänsegeiers ausgefallen, oder dem rund neun Kilo schweren Vogel ist samt Sender etwas zugestoßen. Nur diese beiden Möglichkeiten kommen für Stationsleiter Florian Brandes in Frage.

veröffentlicht am 02.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

"Wir bekommen viele Mails, wo?Gonzo' gesehen worden sein soll", sagt Brandes. "Von hier ist am 30. Juni das letzte Signal von ?Gonzo' empfangen worden." Der Stationsleiter deutet mit dem Finger auf eine Landkarte auf seinem PC-Bildschirm. Die letzte, satellitengesteuerte SMS ist aus der Gegend zwischen Lentföhrden und Hörnerkirchen nordöstlich von Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein gekommen. Auf die Anwesenheit eines Aasfressers in dem Gebiet hätten auch zwei "fachgerecht" zerlegte Schafkadaver hingedeutet, die dort gefunden worden seien. Gänsegeier fressen ausschließlich Aas und sind in der Lage, ein 30 Zentimeter großes Nahrungsstück noch aus rund 3700 Meter Höhe auszumachen. Brandes vermutet eher ein ungutes Ende für den Geier, weil im Sender eine Schaltung eingebaut ist, die Alarm gibt, wenn das Tier sich längere Zeit nicht bewegt. Deshalb sei Verhungern eher unwahrscheinlich. Möglich sei aber auch, dass "Gonzo" selbst die Antenne des Senders abgerissen hat. Der Geier auf Nahrungssuche kreiste zunächst über dem Gebiet um Uelzen, dann südlich von Hamburg und Ende Juni in Schleswig-Holstein. Dort ist er nun "verschollen". Trotzdem nehmen die holsteinischen Medien den Sommer-Geier dankbar auf, obwohl der letzte Beweis dafür fehlt, dass es sich um "Gonzo" und nicht um einen anderen Gänsegeier handelt. Vermutlich hatte "Gonzo" zusammen mit rund 100 Artgenossen den Flug aus Südeuropa nach Deutschland nicht ganz freiwillig angetreten. Den Aasfressern knurrt der Magen, weil EU-Hygiene-Verordnungen vorschreiben, Tierkadaver sofort zu beseitigen. Er hockte völlig entkräftet auf einem Acker bei Hildesheim. In der Schaumburger Wildtierstation päppelte ihn das Team um Stationsleiter Florian Brandes, wie berichtet, wieder auf. Der Projektpartner der Station, die "aktion tier - menschen für tiere", finanzierte die kontrollierte, "besenderte" Auswilderung "Gonzos", als Teil eines Projekts des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. "Gonzo" ist jetzt vom Medienstar zum Phantom geworden, erst rauschte er durch den deutschen Luftraum, jetzt offenbar nur noch durch den deutschen Blätterwald. "Erst Bruno, jetzt Gonzo" titelten denn auch Internet-Nachrichtendienste. Das "Flensburger Tageblatt" veröffentlichte gleich eine ganze Liste von Orten, an denen "Gonzo" - zum Teil gleichzeitig - gesehen worden sein soll. Und nicht nur die "Welt" ist von Lesern benachrichtigt worden, die den Vogel noch am 21. Juli seine Kreise über Großenaspe ziehen sehen haben wollen.




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