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Mufflons ohne Scheu in Kleinenbremen unterwegs / Teil der Anwohner verärgert / Andere füttern und freuen sich

Ganz scharf auf Rosen, Efeu und Kirschlorbeer

Kleinenbremen (ly). Die Kleinenbremer Tierwelt hat Zuwachs bekommen. Im Bereich Spellmannsbrink ist eine Gruppe Mufflons unterwegs, bestehend aus einem kleinen Rudel mit sieben Wildschafen, Herde wäre zuviel gesagt. Freude herrscht darüber allerdings nur in Teilen der Bevölkerung. Die einen füttern, die anderen ärgern sich.

veröffentlicht am 20.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 04:21 Uhr

„Rosen, Efeu, Kirschlorbeer – alles fressen die Mufflons ab“, sagt Jochen Koch, der Auf der Host wohnt. „Sie haben ihre Scheu verloren, kommen auf die Terrasse oder bis an die Haustür“, fügt Nachbar Friedrich-Wilhelm Pröve hinzu. „Der Leitbock ist sehr selbstbewusst“, hat Pröve beobachtet, in dessen Garten ebenfalls angefressene Gewächse stehen. Mittlerweile, beklagt sich der Kleinenbremer, seien die Wildschafe zur Plage geworden.

„Bei uns“, so Koch, „haben sie schon durchs Fenster geguckt. Irgendwann muss das aufhören.“ Wie, darüber sind Koch und Pröve einer Meinung: „Einfangen und anderswo kontrolliert halten, zum Beispiel in einem Gehege.“ Andere Kleinenbremer würden dies vermutlich bedauern. Sie stellen Futter raus und erfreuen sich an den munteren Wildschafen.

„Nach unserem Kenntnisstand sind die Tiere entlaufen“, berichtet Wilfried Geldmeier, Arbeitsgruppenleiter im Rechts- und Ordnungsamt beim Kreis Minden-Lübbecke, der unteren Jagdbehörde. Etwa drei Jahre soll das her sein. Der frühere Halter, ein Kleinenbremer, habe daraufhin das Eigentumsrecht aufgegeben. Seitdem gelten die Mufflons als herrenlos.

Auf eigene Faust einfangen dürfen genervte Anwohner die Tiere nicht, denn das wäre Jagdwilderei. Schießen ist Sache von Jägern, geht aber erst recht nicht. Mufflons sind zwar jagdbares Wild, das Kleinenbremer Rudel lebt jedoch in einem „befriedeten Bezirk“, wo die Jagd ruht. „Das Revier liegt zu nah an der Wohnbebauung“, erklärt Jagdpächter Heinrich Werkmeister. „Bei mir sind bereits mehrere Anwohner vorstellig geworden“, berichtet er.

Im Wald haben die Mufflons laut Werkmeister bisher keine Schäden angerichtet, für Menschen seien sie ungefährlich. Eventuell könnten von ihnen Gefahren für den Straßenverkehr ausgehen. Und selbst wenn: „Dann müsste man jedes Wild einfangen, das auf die Straße läuft“, erklärt Detlef Brand vom Sachgebiet Sicherheit und Ordnung in der Portaner Stadtverwaltung. „Mufflons sind wie Rehwild zu behandeln“, stellt Brand klar. Anwohnern, die auf ihrem Grundstück keine Wildschafe wollen, bleibt demnach offenbar nichts anderes übrig, als den Garten zu umzäunen. „Der Gesetzgeber erwartet von Hauseigentümern entsprechende Vorrichtungen“, erklärt Wilfried Geldmeier. Zum Beispiel Wildschutzzäune.

Deutschland gehört nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet von Mufflons, den wilden Verwandten unserer Hausschafe. Auswilderung zum Zwecke der Jagd gibt es dagegen in vielen Gegenden Europas. Rudel aus entlaufenen Tieren ebenfalls.




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