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Energiekosten zwingen Betreiber zur Aufgabe / Künftig kein Alkohol

Gasthaus Hattendorf: Das Ende einer Ära

Kreuzriehe. Das Kreuzrieher Gasthaus Hattendorf ist ein für alle Mal geschlossen. „Ich werde nicht mehr eröffnen“, bestätigte der ehemalige Besitzer, Martin Hattendorf, dieser Zeitung auf Nachfrage. Einen Insolvenzantrag habe er jedoch noch nicht stellen müssen. Dafür fehle momentan eine Schuldenaufrechnung, mit seinem zuständigen Geldinstitut stecke Hattendorf zurzeit in Verhandlungen.

veröffentlicht am 18.09.2013 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:22 Uhr

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Trotzdem sei es äußerst schade, dass die Gastwirtschaft, die 1876 in Kreuzriehe eröffnete, nun – in der vierten Generation – schließen muss. Die Immobilie war bereits am 1. August bei einer Zwangsversteigerung verkauft worden, sagte der Ex-Eigentümer. „Das war ein Glücksfall, sonst hätten mich die Kosten aufgefressen.“ Zwar habe der neue Besitzer Hattendorf angeboten, sein Lokal weiterzuführen, doch er habe ablehnen müssen, erläuterte Hattendorf. Die Energiekosten für den Betrieb des Gasthauses seien schlichtweg zu hoch gewesen. Deshalb sei die Gaststätte bereits seit dem 15. September geschlossen.

An seinem ehemaligen Gasthaus spiegele sich ein deutschlandweiter Trend wider, so Hattendorf. Die hohen Energiekosten für Heizöl und Strom zwängen so manchen Gastwirt in die Knie. Die Dorfgasthäuser hätten noch ein weiteres Problem: Die alten traditionellen Speisen seien nicht mehr so gefragt, junge Leute hätten nur noch wenig Interesse an hausgemachter Jagdwurst und Ähnlichem. Wenn die Geldinstitute keine Kredite mehr geben wollten, sei man gezwungen zu schließen. Bekomme man dennoch einen Kredit, seien die Zinsen so hoch, die Konditionen so hart, dass es kein Entrinnen aus der Schuldenfalle mehr gebe. „Es ist eine Spirale, die nach unten geht“, kommentierte Hattendorf, der in der hiesigen Gastronomieszene ein Urgestein ist. Mit der Schließung des Gasthauses endet eine Ära in Kreuzriehe.

Der neue Besitzer Farouk Maskun hat noch keine exakten Pläne, was aus dem ehemaligen Gasthaus werden soll. Dafür müsse er sich erst einen genauen Überblick über die Raumsituation verschaffen. Wahrscheinlich werde er die Gaststätte der Dorfgemeinschaft für Feiern weiter zur Verfügung stellen. Alkohol solle dann jedoch nicht mehr ausgeschenkt werden. Möglich sei auch, dass dort Kunst- oder Modeausstellungen präsentiert werden.

Martin Hattendorf bewohnt das Gebäude noch bis Ende September. Er habe ihn nicht dazu gedrängt auszuziehen, so Maskun. Hattendorfs Mutter dürfe bis zu ihrem Lebensende im Gebäude wohnen bleiben, betonte er.

Die Gaststätte Hattendorf hat am Wahlsonntag als Wahllokal geöffnet.




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