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Vor Gericht: Zechkumpane reichen sich trotz allem die Hände / "Wenn Du rauskommst, sprechen wir"

Gefängnisstrafe für die Mär vom Mordversuch

Auetal/Bückeburg (ly). Rache ist süß, sagt man. Für einen 37-Jährigen aus dem Auetal bleibt dagegen ein eher bitterer Beigeschmack, denn er bekommt eine gesalzene Haftstrafe. Aus Rache hatte der inhaftierte Mann einen Zechkumpan (30) des versuchten Mordes bezichtigt. Erst nach einer zweitägigen Zitterpartie vor dem Schwurgericht in Bückeburg wurde das unschuldige Opfer Mitte Februar vom Vorwurf freigesprochen, eine Frau beim Grillen in Borstel mit Benzin übergossen zu haben, um diese anzuzünden (wir berichteten). Dafür kann es "Lebenslänglich" geben.

veröffentlicht am 21.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:25 Uhr

Für den Erfinder der Lügengeschichte, der sich in dieser Mär obendrein als Retter der Frau aufspielen wollte, hatte die Sache vorgestern ein Nachspiel vor dem Bückeburger Schöffengericht. Dort bekam der 37-Jährige als Angeklagter die Quittung: zehn Monate Haft wegen falscher Verdächtigung. Einbezogen wird dieses Urteil, das bereits rechtskräftig ist, in eine frühere Entscheidung über zwei Jahre Gefängnis. Unter Anrechnung des üblichen Justiz-Rabattes kommt nun unterm Strich eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und acht Monaten heraus, deren Rest noch zu verbüßen ist. Zu Beginn der Verhandlung hatte der Angeklagte, ein Kleinkrimineller mit zwei Dutzend Vorstrafen, laut darüber nachgedacht, die Tat zu leugnen. Doch dann ließ er es, denn das wäre angesichts der erdrückenden Beweislage aussichtslos gewesen. "Man sollte wissen, wenn man verloren hat", hatte Richter Dr. Dirk von Behren zu bedenken gegeben. Ebenfalls auf Anregung von Behrens entschuldigte sich der 37-Jährige dann per Handschlag bei dem Mann, der durch seine Schuld in den Verdacht eines Mordversuchs geraten war und sich im Prozess fünf Richtern gegenüber sah. "Okay, wenn Du rauskommst, sprechen wir", schien das Opfer der falschen Verdächtigung zur Versöhnung bereit. Beide Männer und auch die Frau gehören zur "Auetaler Säufergemeinschaft", wie ein Bückeburger Richter die amtsbekannte Truppe einmal recht treffend genannt hat. Lachen kann Staatsanwalt Frank Hirt darüber nicht. Im Gegenteil: Ein "immenser Ermittlungsaufwand" sei es gewesen, der seinerzeit zu einer Anklage vor dem Schwurgericht geführt habe. "Und ganz am Ende bequemt sich der Belastungszeuge zu sagen, dass alles ganz anders war." Erst im Prozess will der 37-Jährige erkannt haben, "was ich angerichtet hatte". Auf den zu Unrecht angeklagten Saufkumpan habe er "einen ganz schönen Hass gehabt''. Hauptgrund dafür: In einem vorausgegangenen Verfahren war der Auetaler von dem jüngeren Mann wegen Körperverletzung angezeigt worden. Übrigens: Nach seiner Entlassung aus der Haft muss der brutale 37-Jährige, der überdies die völlig verängstigte Frau zu einer Falschaussage gedrängt hatte, "höllisch aufpassen", so Richter von Behren. Beim Rückfall droht Sicherungsverwahrung. Und es wäre nicht der erste Rückfall.




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