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Schädlingsbefall und Klimaveränderung bereiten Kreisforstamtsleiter Bernhard Michel Sorge

Gefräßige Borkenkäfer setzen den Fichten zu

Landkreis (fox). Um die Fichten im Kreisforst ist es nicht sonderlich gut bestellt. Schädlingsbefall und Klimaveränderungen sind nach Expertenansicht Hauptgrund für diese Entwicklung. Dies ist das nüchterne Ergebnis einer Bestandsaufnahme im heimischen Wald. Kleiner Lichtblick: Das Maß der so genannten Verjüngung, dem Baumnachwuchs, ist bei allen Arten sehr gut.

veröffentlicht am 11.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Kreisforstamtsleiter Bernhard Michel ist besorgt. Er verwaltet die 3400 Hektar Wald des Landkreises. 40 Prozent davon sind Nadelgehölze - vorwiegend Fichten, und denen geht es gar nicht gut. Michel bestätigte den Abwärtstrend des Landesdurchschnitts. Waren es 2005 niedersachsenweit noch 24 Prozent Schadenspotenzial an den Fichten, sind es in diesem Jahr bereits rund 27 Prozent - ausgelöst durch Schädlinge wie den Buchdrucker (Familie der Borkenkäfer) in Kombination mit dem Klimawandel. Zum Problem Borkenkäfer komme zudem der besonders heiße Sommer in diesem Jahr. "Die Bäume geraten dann in Wasserstress und können nicht mehr ausreichend Harz produzieren", erklärte Michel. Damit wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Denn Nadelgehölze ertränken ihre Fraßschädlinge für gewöhnlich in Harz und schützen sich so. Ohne ausreichend Wasser kein Harz, ohne Harz kein Schutzmechanismus - die Borkenkäfer gewinnen. Zu allem Übel gibt es pro Jahr mehrere Generationen. Deren natürlicher Feind, der Specht, frisst nur einen Teil der Larven und schädigt den Baum zusätzlich, in dem er dabei dessen schützende Rinde abschlägt. Was den Revierbeamten bleibt, sind Pheromonfallen. "Eine neue Methode ist es, Fangholzhaufen aufzuschichten", erläuterte Michel. "Dabei wird frisches Holz aufgeschichtet, mit Sexuallockstoffen des Borkenkäfers versehen und zusätzlich mit einem Kontaktgift behandelt." Dieses Vorgehen zeige gute Wirkungen. Nicht nur Fichten leiden unter Insektenbefall. Auch Eichen, die rund 30 Prozent des Kreisforst-Bestandes ausmachen, seien betroffen. So genannte Fraßgesellschaften, in der Mehrzahl Frostspanner und Eichenwickler (kleine Schmetterlingsarten), treiben in den heimischen Beständen ihr Unwesen. Wie Michel erläuterte, sorgten diese für Kahlfraß und Kronenschäden. Auch hier schwäche das Klima die Bäume. "Die Eichen schaffen den zweiten Austrieb nicht mehr." Die Situation in Schaumburg sei jedoch besser als im Landesdurchschnitt. Insbesondere im Bereich Pollhagen gebe es so gut wie keine Fraßschäden. Michel bezeichnete den Kronenzustand als seit 2004 unverändert. Ein "gleichbleibend schlechtes Niveau" bescheinigt Michel den Buchenbeständen. Bei einer Augenscheinprüfung habe sich keine Verbesserung des Zustandes zum vergangenen Jahr gezeigt. Schaumburg liege sogar leicht unter dem Niedersachsen-Mittel von 29 Prozent Kronenschäden. Der Kreisforstamtsleiter schreibt dieses Phänomen mehr der Schadstoffbelastung in der Luft als den Klimaveränderungen zu. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Nachdem in Schaumburg 1998 auf die naturgemäße Waldwirtschaft umgesattelt wurde und Bäume sich nicht mehr durch künstliche Anpflanzung, sondern durch Selbstaussaat vermehrten, erhole sich der Forst merklich. "Wir verzeichnen eine sagenhafte Verjüngung."




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