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Zwei Liberale auf Tour durch den heimischen Wahlkreis

Gegen den Wahlkampfstress sollen die Hunde helfen

Hameln. Martina Tigges-Friedrichs trägt – zum Unverständnis mancher Parteifreunde – Rot. Jedenfalls hat ihre Jacke diese Farbe. Darunter ein helles, sommerliches Etwas und schwarze Leggins – ganz die nette, unkomplizierte Frau von nebenan. Und so versteht sich die Bundestagskandidatin der FDP in großen Teilen auch. Ganz unspektakulär erscheint sie am Hochzeitshaus mit Carl-Ludwig Thiele, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der Liberalen. Der ist zugleich Spitzenkandidat der FDP in Niedersachsen und tourt derzeit von seinem Wohnort Osnabrück durch alle 30 Wahlkreise des Landes, örtliche Bewerber jeweils mit im Schlepp.

veröffentlicht am 14.08.2009 um 19:00 Uhr

Ständig auf Achse: die FDP-Bundestagskandidaten Martina Tigges-F

Autor:

Christa Koch

Tigges-Friedrichs wirkt ein bisschen angespannt. Sie hinkt nämlich dem selbstgesteckten Zeitplan hinterher, hat von Holzminden aus, wo der Törn durch den Wahlkreis begonnen hat, ihren Privatwagen nehmen müssen, weil der gelb-blaue Bus der FDP – Baujahr 1951 und eigentlich eine umgebaute Kutsche – plötzlich eine neue Batterie braucht. Ihr Begleiter nimmt’s gelassener – schließlich ist er als Mitglied des Bundestages sozusagen Vollprofi. Dass im Wahlkampf aber beide ihren Stress loswerden müssen, räumt auch er ein. Für den fünffachen Vater Thiele ist es der zehn Wochen alte Golden Retriever „Rocky“ und sein Jüngster, die ihn auf Trab halten („im Urlaub haben wir beide vier Tage lang einen Auto-Bausatz zusammengebastelt“). Tigges-Friedrichs bekommt ihre Bewegungseinheiten zwar auch von einem Vierbeiner, doch oft genug muss sie „Othello“, eine Mischung aus Jack Russell und Beagle, bei der Nachbarin abgeben. Nicht nur Mann und zwei Kinder, sondern auch Hotels, Ferienwohnungen und ein Café verlangen Arbeit und Aufmerksamkeit über das Politische hinaus.

Der alerte Rechtsanwalt steckt das eher weg, meint, dass der Beruf eines „Volksvertreters“ immer auch dem eines Vertreters gleicht. Während seine Parteifreundin noch gegen die sie umschwirrenden Wespen kämpft, eilt er schon wieder hin und her, spricht kurz mit Busfahrer Gerhard Oberwetter (72) und bereitet sich auf den nächsten Auftritt vor – Göttingen steht heute noch auf dem Plan. Politisch werden die zwei kaum. Dass die FDP in zehn Jahren immer verlässliche Politik gemacht hat und der Wähler das honoriert, glaubt die Pyrmonterin Tigges-Friedrichs immerhin. Und dass „das Fell des Bären erst dann verteilt wird, wenn er erlegt ist“, sagen beide mit Blick auf die CDU-Forderung, den Christdemokraten das Wirtschaftsressort zu überlassen.

„Wer was leistet, muss mehr haben“

Auch in Bad Pyrmont hat Spitzenkandidat Thiele mit seinem gelb-blauen Oldtimer- Bus Halt gemacht, hat sich zusammen mit Martina Tigges-Friedrichs als Kandidat präsentiert. In Reileifzen trat sie gemeinsam mit Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander beim Wahlkampfauftakt des FDP-Bezirksverbandes Süd-Niedersachsen auf. Auf die Frage, mit welchen fünf Begriffen er sich beschreiben würde, antwortete Thiele: „Engagement, Leidenschaft, dass Freiheit in Verantwortung auch mit Nächstenliebe ersetzt werden kann.“ Auch für das Lohnabstandsgebot will sich der Jurist einsetzen, „denn wer was leistet, muss mehr haben, als jener, der nichts tut.“ Von der öffentlichen Hand fordert er, sorgsam mit den Geldern umzugehen. „Theodor Heuss hat mal gesagt: ,Demokratie, das sind wir alle‘.“

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