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Ehemaliger Rodenberger muss Entziehungskur in einer geschlossener Einrichtung machen

Gegen die kriminelle Karriere hilft nur noch Therapie

Annette Menzemer

veröffentlicht am 26.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:42 Uhr

Rodenberg. Ein ehemaliger Rodenberger wird zur Therapie in einer geschlossenen Einrichtung verdonnert. Das Gericht sieht für den 23-Jährigen keine andere Möglichkeit, aus seiner kriminellen Drogenkarriere auszusteigen.

Vergitterte Fenster, verriegelte Türen, für so manchen, der vom rechten Wege abgekommen ist, bedeutet die Entziehung der Freiheit Endstation. Für einen jungen Mann dagegen ist sie notwendige Voraussetzung für ein neues Leben. Eine Drogentherapie in einer geschlossenen Einrichtung ist für den früheren Rodenberger der einzige Weg in eine geordnete Existenz. Zwangsweise hat der Strafrichter am Amtsgericht Stadthagen die Maßnahme angeordnet, nachdem er den 23-Jährigen wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt hatte.

Bei den ehemaligen Pflegeeltern in Rodenberg war der Mann im November 2009 nachts eingebrochen und hatte Bargeld gestohlen. Geld, das er dringend gebraucht habe, weil ihm ein Dealer im Nacken saß, bei dem er Schulden hatte. „Schlimme Dinge“ habe ihm dieser angedroht, wenn er nicht zahle.

Schon einmal zuvor war der Mann bei den Pflegeeltern eingestiegen und hatte Geld gestohlen. Acht Monate auf Bewährung hatte er dafür kassiert, keine zwei Monate vor dem jetzt sanktionierten Einbruch. Die Bewährung war widerrufen worden, da er die Auflagen missachtet hatte.

Der junge Mann schluckt und schnupft so ziemlich alles was dröhnt, den Kopf dicht macht: Pilze, Amphetamine, LSD, Extacy, er nimmt, was er kriegen kann. Begonnen hat es vor rund zehn Jahren mit dem klassischen Joint, er habe „Gefallen daran gefunden und weitergemacht.“ Vor der Drogenzeit habe es keine „wesentlichen Verhaltensauffälligkeiten“ gegeben, resümierte ein psychiatrischer Gutachter, aber seit der Abhängige den Rauschmitteln verfallen ist, ist er immer wieder straffällig geworden. Und der Fachmann bescheinigte dem Mann, dass es dabei auch bliebe, solange er von den Drogen nicht loskomme.

In hoher Zahl seien weitere Straftaten zu erwarten, stellte der Arzt eine ungünstige Prognose. Gleichzeitig sah er gute Therapiemöglichkeiten, nützlich sei aber „nur eine vollstationäre Maßnahme“. Alle Voraussetzungen erfüllte der Angeklagte, damit der Richter diese zwangsverordnen konnte. Normalerweise kann Therapie nur auf freiwilliger Basis zur Auflage gemacht werden. Bei der langen Drogenkarriere war bei dem Angeklagten, trotz dessen Einsicht, darauf nicht zu setzen. Dazu fehle es an „Durchhaltevermögen und Antrieb“, formulierte der Gutachter.

Bereits in der Vergangenheit hatte eine ambulante Therapie nicht gefruchtet. Die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung befürwortete auch die Verteidigerin, die gleich an den Haftbefehl dachte, „damit er nicht wegläuft“. Etwas Besseres als ein Entzug kann dem Mann nicht passieren und das Gericht hat ihm jetzt diese Möglichkeit geschaffen. „Die Arbeit müssen Sie leisten“, appellierte Richter Kai-Oliver Stumpe und warnte, der 23-Jährige möge sich den Aufenthalt in der Entziehungsanstalt „nicht als Spaziergang vorstellen, mitunter sei das „härter als Knast“. Doch drastisch beschrieb der Richter die Alternative: „Dann gehen sie vor die Hunde, dann findet man Sie eines Tages auf dem dreckigen Bahnhofsklo.“




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