weather-image
25°
×

Versammlung zum „Regioport Weser“ erlebt beharrlich nachfragende Skeptiker auf der einen und geduldige Antwortgeber auf der anderen Seite

Gegenläufige Meinungen sind nicht unter einen Hut zu bringen

Evesen (bus). Sehr beharrlich nachfragende Skeptiker und ziemlich geduldige Antwortgeber haben die im „Eveser Krug“ stattfindende Bürgerversammlung zum Reizthema „Regioport Weser“ gekennzeichnet. Auf der einen Seite äußerten überwiegend Mitglieder oder Sympathisanten der Bürgerinitiative Containerhafen, die das Projekt kritisch begleitet, Zweifel und Bedenken, auf der Gegenseite versuchten vornehmlich Malte Wittbecker (Geschäftsstelle Regioport) und Bückeburgs Baubereichsleiter Jörg Klostermann diese auszuräumen. Dass die gegenläufigen Meinungen nicht komplett unter einen Hut zu bringen waren, kam für keine Seite überraschend.

veröffentlicht am 16.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:41 Uhr

Die Eveser Veranstaltung war nach denen in Minden und Dankersen die dritte Zusammenkunft dieser Art. Ziel der Organisatoren ist die möglichst frühe Einbindung der Öffentlichkeit in das Millionen-Vorhaben, das zwischen Schaumburger Wald und Bundesstraße 482 am Mittellandkanal einen Containerumschlagplatz mit bis zu 300 000 Transporteinheiten pro Jahr entstehen lassen soll.

Grundlage der Diskussion war ein vom Bielefelder Planungsbüro „Drees und Huesmann“ vorgelegter sogenannter Masterplan. Die Zusammenstellung behandelt die Stichpunkte Potenzialuntersuchung, Hafenanlage, verkehrliche Voruntersuchung der Straßenanbindung, Umweltverträglichkeitsstudie, Verlegung der 110-Kilovolt-Leitung, Gleisanschluss, Containerumschlag und -stellflächen, Rahmenplan für den Hafen Bückeburg-Berenbusch, Immissionsuntersuchungen sowie Vorplanungen für eine natürliche Umgestaltung und Hochwasserschutz Bückeburger Aue.

Dargestellt wurden der Strukturplan für Flächen, Erschließung und Trimodalität (Anbindung an Wasser, Schiene und Straße) sowie Details zu Containerhafen, hafentypischem Gewerbe und Hafen Berenbusch. Zur Verdeutlichung der Dimensionen zeigten die Planer visualisierte Aufnahmen, die den Endzustand des Regioports sowohl aus der Vogel- als auch aus der Fußgängerperspektive zeigten.

Bei der Erläuterung des Rahmenplans für den Hafen Berenbusch ging es vor allem um eine Erweiterung der vorhandenen Anlage Richtung Westen sowie um die Ertüchtigung des bestehenden Hafens, die zuvorderst eine Erweiterung von jetzt zwei auf zukünftig drei Liegeplätze beinhaltet.

„Die Kaimauer ist stark abgängig“ erläuterte Klostermann. Sie könne noch fünf Jahre halten aber auch schon im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Bei der Finanzierung – der Baubereichsleiter schätzte die Kosten auf 1,5 bis zwei Millionen Euro – sei die Stadt unterdessen auf Unterstützung des Landes angewiesen. „Das kann Bückeburg allein nicht stemmen.“ Im Übrigen liege die endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen in den Händen der Politik. Was auch auf den auf der gegenüberliegenden Kanalseite projektierten Regioport zutrifft, für dessen ersten (von insgesamt drei) Bauabschnitt die Investoren mit Kosten in Höhe von 31,8 Millionen Euro kalkulieren.

Mit der Inbetriebnahme des ersten Teilabschnitts wird bereits für das Jahr 2013 gerechnet. Dieser Teilbauabschnitt beinhaltet die Errichtung der Kaianlage und von Umschlagsflächen am Mittellandkanal inklusive einer Kranbrücke, der notwendigen verkehrlichen und technischen Infrastruktur sowie Maßnahmen zur Renaturierung und Retention. Im zweiten Teilbauabschnitt (geplante Fertigstellung 2018) soll der Regioport per Bahnschiene erschlossen werden sowie weitere Lagerflächen für Container und eine Kranbrücke für den Bahnumschlag erhalten. Der letzte Abschnitt mit weiteren Kränen an der Gleisanlage und am Mittellandkanal sowie dem Ausbau der inneren Lagerflächen soll nach dem vorhandenen Bedarf entsprechend in den nachfolgenden Jahren stufenweise ausgebaut werden.

Die Kosten waren Bestandteil der recht ausführlichen Erörterungsrunde. Die Kritiker äußerten sich zu den Komplexen Gewerbesteuer, Gesundheitsgefahren, Umschlagsprognosen, Ansiedlung der hafentypischen Betriebe im Gewerbegebiet Päpinghausen, Wertminderung bei Wohnhäusern, mangelnde Schutzmöglichkeiten vor Öl im Hafen Berenbusch, Wohnqualität, Anbindung an die Bundesautobahn, topografische Nachteile sowie wirtschaftliche Situation der Mindener Hafen GmbH. Am häufigsten kam indes die befürchtete Zunahme der Lärmbelästigung zur Sprache. Nicht nur im Hafengebiet sondern auch auf den Verbindungsstraßen, und hier besonders auf der Bundesstraße 482, stünde eine erhebliche zusätzliche Belästigung zu erwarten, hieß es.

Nach Erkenntnissen der Planer wird der Verkehr auf der Bundesstraße bis zum Jahr 2025 erheblich zunehmen. Die Gesamtsicht geht von einer Steigerung um 3490 von derzeit 23 300 auf 26 790 Fahrzeuge pro Tag aus, wobei dem Lkw-Anteil eine Zunahme von 22,2 auf 25,6 Prozent prognostiziert wird. Über die Magdeburger Straße, die den gesamten Verkehr des Containerterminals aufnehmen wird, werden 2025 den Voraussagen zufolge 2790 (Lkw-Anteil: 70 Prozent) Fahrzeuge rollen.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige