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Neue Regelung am Geldautomaten / Sparkassen und Volksbanken: Hohe Gebühren, aber dichtes Netz

Geldbeschaffung bleibt für Fremdkunden teuer

Landkreis. Die Neuregelung der Geldautomatengebühren zeigt Wirkung. In vielen Fällen ist die Bargeldbeschaffung jetzt billiger, doch die Unterschiede zwischen den Instituten sind weiterhin groß. Sie reichen von weniger als 2 Euro bis deutlich über 5 Euro. Es kann sich also lohnen, nicht am erstbesten Automaten Bargeld zu ziehen.

veröffentlicht am 21.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:51 Uhr

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Nach langen Streitereien hatten sich die deutschen Banken und Sparkassen unter dem Druck des Kartellamtes auf ein neues System geeinigt. Seit Sonnabend müssen die Geldautomaten ausweisen, welche Kosten jeweils bei der Nutzung entstehen. Der Kunde erfährt also direkt, wie viel ihn die Bargeldbeschaffung kostet – und kann sich dann immer noch entscheiden, ob er lieber woanders sein Glück versucht. Einer Umfrage der Unternehmensberatung Faktenkontor zufolge wollen 89 Prozent der Deutschen diese neue Auskunftspflicht dazu nutzen, nach kostenfreien Geldautomaten Ausschau zu halten.

Grundsätzlich wird wie bisher zwischen eigenen Kunden und Fremdkunden unterschieden. Eigene Kunden sind dabei nicht nur die Kunden des jeweiligen Instituts, sondern der gesamten Gruppe. So können alle deutschen Sparkassenkunden bei jeder beliebigen Sparkasse in Deutschland weiterhin kostenlos Geld abheben. Das Gleiche gilt für die Kunden der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Daneben gibt es weitere Verbünde, die untereinander Gebührenfreiheit vereinbart haben. So haben sich die Großbanken wie Deutsche Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank nebst ihren Töchtern in der „cash group“ zusammengeschlossen. Andere Banken wie die Sparda-Gruppe, Targo Bank, Degussa Bank und Santander bilden den „cash pool“, um ihren Kunden ein großes Geldautomatennetz zur kostenfreien Nutzung bieten zu können.

Wer dagegen bei einem nicht zur eigenen Gruppe gehörenden Institut den Automaten nutzt, wird weiter zur Kasse gebeten.

So verlangt die Volksbank Hameln-Stadthagen von Fremdkunden 3,50 Euro pro Abhebung, die Sparkasse Schaumburg nimmt für den Vorgang 3,90 Euro. Bei der Volksbank in Schaumburg werden 3,75 Euro berechnet.

Dagegen haben die privaten Banken, die dem Bundesverband deutscher Banken angehören, beschlossen, dass künftig kein Fremdkunde mehr als 1,95 Euro für eine Abbuchung zahlen soll. Dies gilt unter anderem für die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Postbank. 1,95 Euro verlangen jetzt ebenfalls die deutschen Sparda-Banken, darunter auch die Sparda-Bank Hannover.

„Wir haben uns für 1,95 Euro pro Abhebung durch Fremdkunden entschieden, weil wir auch in dieser Hinsicht freundlich und fair sein wollen. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Dies gilt nicht nur für unsere eigenen Kunden“, erklärte Winfried Blecking, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hannover.

Juliane Djoumai, Pressesprecherin der Volksbank Hameln-Stadthagen begründete die höheren Gebühren mit dem dichten Automatennetz der Genossenschaftsbanken. Eine solche Infrastruktur sei sehr wartungs- und kostenintensiv, so Martina Tellermann, Pressesprecherin der Volksbank in Schaumburg. „Die Direktbanken machen Kunden abspenstig, besitzen aber kaum eigene Automaten.“

Ins gleiche Horn stößt auch Werner Nickel, Pressesprecher der Sparkasse Schaumburg: „Die Sparkassen haben nach wie vor das dichteste Geldautomatennetz.“ Außerdem verwies er auf das „Heimat-Sparkassen-Modell“, also das kostenlose Geldabheben auch für Kunden anderer Sparkassen.

Die Gebühren für Fremdkunden werden zusammen mit dem Auszahlungsbetrag dem jeweiligen Kundenkonto belastet. Wer also zum Beispiel 200 Euro an einem Automaten abhebt, dessen Nutzung 4 Euro kostet, findet auf seinem Kontoauszug eine Belastung von 204 Euro.

Nach einer Umfrage des Frankfurter Finanzinformationsdienstes FMH reichen die Gebühren in der Spitze bis 5,95 Euro. Es geht sogar noch höher. So verlangt die Sparkasse Holstein, wie ein Sprecher bestätigte, von Nicht-Sparkassen-Kunden stattliche 7,50 Euro, wenn sie die Geldautomaten des in Eutin ansässigen Instituts nutzen.

Verbraucherschützer finden das völlig überteuert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) spricht von „Abzocke“. Zwar gebe es durch die Neuregelung jetzt mehr Transparenz über die Kosten. „Transparenz ist das eine, die Beendigung der Preiswillkür das andere“, erklärte Manfred Westphal, Leiter Fachbereich Finanzdienstleistungen.

Der VZBV fordert eine „angemessene Deckelung“ der Beträge. „Anders als die Privatbanken weigern sich die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken hartnäckig, die Gebühren nach oben zu begrenzen.“ Hohe Abhebegebühren seien ein „lukratives Geschäftsmodell“, denn ihnen stünden tatsächliche Transaktionskosten von weit unter einen Euro gegenüber, erklärt der Bundesverband. Nickel widerspricht dieser Darstellung. „Die Kosten, die uns dort angedichtet werden sind falsch.“ Tatsächlich seien die Transaktionen deutlich teurer.




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