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Dr. Stefan Brüdermann ist neuer Leiter des Staatsarchivs / Mehr Komfort für die Nutzer geplant

Geschichte des Radfahrens als Steckenpferd

Bückeburg (wer). Es war ein Einstand nach Maß: Mit seinem viel beachteten Festvortrag über 400 Jahre Marktrechte hat Dr. Stefan Brüdermann (49) zugleich seine „Antrittsvorlesung“ als neuer Leiter des Bückeburger Staatsarchivs gehalten. Der Historiker aus Osterode, der 2003 als Referent und Stellvertreter nach Bückeburg kam, hat am 1. Februar die Nachfolge von Hubert Höing angetreten.

veröffentlicht am 09.02.2009 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:41 Uhr

Brüdermann hat an den Universitäten Göttingen und Wien studiert und promoviert. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Göttingen, als Angestellter und Referent in verschiedenen Archiven Niedersachsens sowie als Lehrbeauftragter an der Universität Hannover tätig. Vor dem Umzug nach Bückeburg erhielt zunächst eine andere Residenzstadt den Vorzug: Von 1999 bis 2003 arbeitete er am Deutschen Historischen Institut in Rom.

Schwerpunkt:

Frühe Neuzeit

Sein Schwerpunkt ist die Frühe Neuzeit, insbesondere in der Niedersächsischen Landes-, Universitäts- und Kulturgeschichte. Für das studentische Milieu des 18. Jahrhunderts ist Brüdermann ausgewiesener Experte, über dieses Thema (genauer: Göttinger Studenten und akademische Gerichtsbarkeit) handelt auch seine 1987 abgeschlossene Dissertation.

Im Aufrag der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen arbeitet er derzeit als Herausgeber an einem Handbuch der Geschichte Niedersachsens im 19. Jahrhundert, das auch einen selbstverfassten Aufsatz zur Schul- und Universitätsgeschichte enthalten wird.

In seiner vielfältigen und langen Veröffentlichungsliste sticht ein Spezialthema besonders ins Auge: das Radfahren. Ob auf dem historischen Pflaster Hannovers, Roms oder des Herzogtums Braunschweig: Der bekennende Nicht-Automobilist hat die Sozial-, Rechts- und Kulturgeschichte des Fahrradfahrens zum Steckenpferd erhoben.

Mit der Archivleitung übernimmt Brüdermann fast automatisch auch den Vorsitz der „Historischen Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg“, deren Arbeit er künftig auf breitere Füße stellen will. Größere Projekte der Regionalgeschichte werfen bereits ihre Schatten voraus: Im kommenden Jahr begeht Schaumburg eine 900-Jahr-Feier, eine Tagung über die Zeit des Mittelalters ist bereits in Planung.

In der Heimatgeschichte hat sich Brüdermann bereits durch etliche Vorträge, etwa zur dörflichen Historie (Sülbeck, Vehlen und Ahnsen) oder zur Justiz im Nationalsozialismus, einen Namen gemacht. Seine persönlichen Ambitionen liegen auch hier vor allem im 18. Jahrhundert und besonders beim Grafen Wilhelm, der als Akteur der Schlacht von Minden bereits im vorigen Jahr im Mittelpunkt eines Vortrages stand. Entsteht hier in Gedanken bereits eine Biographie des schaumburg-lippischen Militärstrategen?

Wesentlich konkreter ist ein anderes Projekt zur Regionalgeschichte, an dem Brüdermann beteiligt ist: Ein Buch über „Schaumburger Nationalsozialisten“ mit zwei eigenen Beiträgen soll in diesem Herbst erscheinen.

Auch für die Zukunft des Staatsarchivs hat sich der neue Chef viel vorgenommen. Die Benutzerfreundlichkeit soll weiter gesteigert werden, auch durch neue Technik: Die Digitalisierung von Quellen wird vorangetrieben, Findbücher werden elektronisch erfasst und im Internet zugänglich gemacht. Zudem wird Brüdermann weiterhin VHS-Kurse über die Arbeit mit lokalhistorischen Quellen anbieten, die Schwelle zur Nutzung des Archivs soll dadurch gesenkt werden.

Familienforschung

hat Konjunktur

Für die nächsten Jahre erwartet der neue Leiter Konjunktur vor allem für die ohnehin populäre Familienforschung. Der Grund: Mit der gesetzlich geregelten Übernahme des Standesamtsregisters werden 70 Regalmeter neue Quellen ins Staatsarchiv wandern; ältere Geburts-, Sterbe- und Heiratsurkunden werden damit leichter zugänglich als bisher.

Familie ist auch das Thema, das den Vater zweier Töchter (dreieinhalb und eineinhalb Jahre) privat umtreibt. Und Bücher. Viele Bücher. Der Umzug des Akademiker-Haushaltes (Ehefrau Ute ist promovierte Musikhistorikerin) in das neue Eigenheim am Harrl im vorigen Jahr gestaltete sich vor allem deshalb schwierig, weil die zuvor in doppelten Buchreihen aufgestellte Privat-Bibliothek auch den geduldigsten Kartonträger irgendwann demoralisierte. Im neuen Domizil wirkt Brüdermann erleichtert: „Endlich wieder Platz für neue Bücher.“




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