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Mit dem „Landsommer Weserbergland“ auf den Spuren von Fürsten, Künstlern und Fischern

Geschichten und Geschichte im Schlosspark

Bückeburg (mig). Wenn Bäume reden könnten, dann hätten die uralten Süntelbuchen im Schlosspark sicher viel zu erzählen. Ersatzweise übernommen hat diese Aufgabe jetzt Siegfried Einars. Der Gästeführer erzählte im Rahmen der Aktion „Landsommer Weserbergland“ Park-Geschichte und -Geschichten.

veröffentlicht am 06.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 07:21 Uhr

Geschichte – große, wie kleine – findet sich im Schlosspark auch da, wo man sie gar nicht vermutet. Etwa im sogenannten „Tintenfass“. Der kleine See am Wegesrand ist dicht mit Schilf bewachsen, einem eiligen Besucher fällt seine Existenz mitunter gar nicht auf. Dabei ist es doch gerade dieses kleine Wasserloch, das tief in die Geschichte des Schlossparks zurückreicht.

„Hier wurde Erde für Wälle entnommen“, erklärt Siegfried Einars das Vorhandensein des Kraters – und (Regional)-Geschichte geschrieben, möchte man hinzufügen, denn ausheben ließ diese Löcher Graf Wilhelm. Wilhelm brauchte Erde für seine Wälle und veränderte so den Charakter des Parks, der bis dahin als eine Art Barock-Garten angelegt worden war. „Er war hochdekorierter Kriegsherr und zugleich Pazifist. Seine Grundeinstellung war Vermeidung von Krieg. Deshalb hat er sein Land mit Festungen versehen“, erläutert Einars. Frieden schaffen mit Verteidigungswaffen, hieß die Devise. Eine Paradoxie, die sich in diesem kleinen See widerspiegelt. „Das ist ein Park, in dem eine Familie gelebt hat, und der immer verändert wurde – kein Park vom Reißbrett“, erklärt Siegfried Einars den Teilnehmern den widersprüchlichen Park-Charakter. Das zeige sich auch an der Gestaltung selbst.

Erhalten sind Spuren des Barock- und eines englischen Landschaftsgartens, der jetzige Zustand geht „in Grundzügen“ auf Fürstin Juliane zurück. Das Kernstück von Julianes Parkanlage, findet sich im vorderen Teil des Parks: ein leicht erhabenes, kreisrundes Beet, das früher mit jahreszeitlich wechselnden Blumenbildern bepflanzt worden war. Etwas dahinter steht eine Sonnenuhr aus dem Barockgarten. „Da kann man nicht nur die Uhrzeit, sondern auch ein ganzes Kalendarium ablesen“, erklärt Einars.

Wasserkraft versorgte

Schloss und Palais mit Elektrizität

Weiter geht es, vorbei an einer alten Buche, in die jemand ein Herz geritzt hat, bis hin zur Brücke über den Schlossbach. Hier stand früher eine alte Kornmühle, später wurde ein kleines Kraftwerk eingerichtet, das nicht nur Strom für das Schloss, sondern auch für das neue und alte Palais, sowie Bürgerhäuser lieferte. Der Teich konnte hier über verschiedene Sperren reguliert und sogar – zur Entschlammung – trockengelegt werden. Bis vor einigen Jahrzehnten unterhielt die Hofkammer hier noch eine Fisch-Wirtschaft und zog Karpfen auf.

Von hier aus schon zu sehen sind auch die schönen de-Vries-Figuren an der Schlossbrücke. „Die sind mit ihrer Patina sogar noch schöner als die Originale. Die haben so eine braune Farbe, die sie schützen soll“, sagt Einars.

Fast auch schon Geschichte ist inzwischen das Vorhängeschloss, das irgendein Spaßvogel am Bronzehund angebracht hat. „Das gehört dazu“, schmunzelt der Gästeführer. Langsam fährt eine lange Stretch-Limousine an den Gästen vorbei. Vor dem Schlosstor steigt ein junges Hochzeitspaar aus und lässt sich fotografieren. Das gibt Einars Gelegenheit, die behelmte und scheinbar männliche Figur auf dem Tor genauer in den Blick zu nehmen. „Man glaubt es erst nicht, aber das ist eine Frau“, sagt er und erzählt eine der vielen, kleinen Anekdoten, die den langen Rundweg versüßen. „Vor einigen Jahrzehnten ist extra einmal jemand auf das Tor geklettert um nachzuschauen. Dabei hat er eindeutig weibliche Merkmale bemerkt. Die Figur soll wohl die negativen Kräfte versinnbildlichen, die Greifen sollen diese vom Schloss fernhalten.”

Das Tor selbst stand eine lange Zeit frei, ohne Anbindung an die nächsten Häuser. Es diente allein der Repräsentation. „Der Platz war sozusagen der Vorhof, hier mussten die Kutschen der Gäste erst eine Runde drehen, um alles bewundern zu können“, so Einars. Seit etwa 150 Jahren haben sich lange Kutschfahrten erledigt. Damals sorgte der Fürst – trotz des Widerstands des Parlaments – für den Anschluss an die Bahn. Die Kosten übernahm der hohe Herr – mit Unterstützung aus Preußen – aus der Privatschatulle.




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