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Bis zu 650 Arbeitsplätze bei Faurecia in Gefahr

Gespräch endet ohne konkretes Ergebnis

STADTHAGEN. Die Zukunft der Faurecia-Standortes Stadthagen – sie bleibt ungewiss. Ein gut einstündiges Spitzengespräch bei Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) brachte erwartungsgemäß keine konkreten Ergebnisse

veröffentlicht am 06.12.2017 um 14:22 Uhr

Immer noch unklar ist die Zukunft des Faurecia-Standortes Stadthaben. Foto: RG

Autor:

Mira Colic, Marc Fügmann und Tina Bonfert
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Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben einen Abzug der Forschungs- und Entwicklungsabteilung aus Stadthagen (wir berichteten).

Davon könnten etwa 600 bis 650 Mitarbeiter betroffen sein. Diese Zahl hat Faurecia-Geschäftsführer Gregor Knauer gestern erstmals genannt, wie Teilnehmer anschließend berichteten. An der Unterredung im Ministerium nahmen außerdem Vertreter von Betriebsrat und IG Metall teil, aber auch Landrat Jörg Farr (SPD) und der Wahlkreisabgeordnete Karsten Becker (SPD).

Knauer hat demnach betont, dass es innerhalb des Konzerns derzeit noch keine Entscheidung gebe – weder für noch gegen Stadthagen. Sein Auftrag sei es, Standortalternativen für den etwa 30 Millionen Euro teuren Neubau zu prüfen. Die Unternehmensleitung hat sich offenbar zum Ziel gesetzt, noch im ersten Quartal 2018 zu einem Ergebnis zu kommen.

Auch, weil das Wirtschaftsministerium Druck macht. Althusmann hat bei dem Termin bekräftigt, dass das Land zur gemachten Zusage stehe, die geplante Investition mit Fördermitteln in Höhe von zehn Prozent zu unterstützen. Die anwesenden Vertreter der Politik machten gleichzeitig deutlich, dass es wichtig sei, den Standort Stadthagen wegen dessen Strukturschwäche zu erhalten. Einigkeit herrschte auch darin, die verunsicherten Arbeitnehmer nicht länger als nötig hinzuhalten.

„Wobei uns am Ende eine ausgewogene Entscheidung zugunsten Stadthagens lieber ist als ein schnelles Ergebnis“, unterstrich Sabrina Wirth. Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle Nienburg-Stadthagen macht keinen Hehl daraus, dass sie sich gestern schon ein positives Signal zugunsten der Kreisstadt gewünscht hätte.

Der Stadthäger Betriebsratsvorsitzende Ali Umutlu wünscht sich hingegen für alle Mitarbeiter „endlich Gewissheit“. Schließlich sei schon der Neubau seit drei Jahren in der Schwebe. „Ich finde es richtig, dass die Politik Druck macht und auf eine Entscheidung pocht.“ Umutlu, seit 33 Jahren Betriebsratsmitglied und seit 2015 Vorsitzender, freut sich über die Unterstützung seitens des Wirtschaftsministeriums: „Ohne die Politiker haben wir schlechte Karte.“ Er wolle den Kampf um den Standort jedoch noch nicht verloren geben. „Ich glaube unserem Geschäftsführer, dass es noch keine Entscheidung gegen Stadthagen gibt.“

Unterstützung hat auch Landrat Farr angeboten. Er habe im Gespräch betont, dass der Landkreis sich gerne auch an den Gesprächen zur Entscheidungsfindung beteilige und seine Hilfe anbiete. Die Vorleistungen – der Landkreis hatte nach Bekanntwerden der Ausbaupläne zum Beispiel bei der Förderung vom Land Niedersachsen vermittelt, die Stadt hatte sich um ein Gelände für den Neubau gekümmert – erkennt Faurecia laut Farr auch durchaus an. „Aber es fehlt der letzte Schritt.“

Faurecia selbst wollte sich nicht näher zu dem gestrigen Gespräch „in freundlicher Atmosphäre“ äußern. Unternehmenssprecherin Kirsten Lattewitz verwies nur auf die Zusage des Ministeriums, die vorgesehenen Fördergelder für Stadthagen bis Ende März 2018 zurückstellen.

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