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Zu viel Umweltfrevel, zu viel Müll, zu hohe Kosten – Hofkammer lässt See aus EU-Kataster streichen

Gevattersee ist ab sofort kein Badesee mehr

Bückeburg (rc). Der Gevattersee ist ab sofort kein Badesee mehr. Das teilte die Fürstliche Hofkammer als Eigentümerin des Geländes mit. Als Gründe nannte Hofkammer-Vertreter Jürgen Pape zum einen die zunehmenden Probleme mit Müll, Ruhestörungen und Umweltfrevel in dem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Gelände. Zum anderen seien die entsprechenden EU-Richtlinien für Badegewässer so verschärft worden, dass die Hofkammer durch Auflagen wie regelmäßige Untersuchungen der Wasserqualität, Kartierung des Zustandes des Sees und eigentlich auch eine Gewässeraufsicht zusätzliche Kosten im deutlich vierstelligen Bereich zu tragen hat. Gemeinsam mit dem Landkreis habe man daher den Antrag an die EU gestellt, aus dem EU-Badegewässerkataster gestrichen zu werden. Diesem Antrag ist jetzt stattgegeben worden.

veröffentlicht am 07.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:41 Uhr

„Baden, grillen, zelten verboten – bei Zuwiderhandlung erfolgt Anzeige“, steht auf den Schildern, die rund um den See aufgestellt worden sind. Zudem wurden weitere Parkflächen insbesondere im Bereich des sogenannten Surfsees gesperrt. Auf den Zufahrtsstraßen wie etwa dem Schaumburger Weg, der zum Gelände des Surfclubs führt, wurde ein absolutes Halteverbot verhängt. Nur auf Mindener Seite spielen die Ordnungsbehörden nicht mit, die kein absolutes Halteverbot für die Grünstreifen entlang der Schaumburger Straße verhängen.

Dass es schwierig wird, das Verbot durchzusetzen, weiß auch die Hofkammer. Pape: „Das wird Jahre dauern.“ Aber es wird daran gearbeitet. Außer den Sperrungen und Verbotsschildern werden Polizei und Ordnungsamt an Sommertagen und -nächten regelmäßig Streife fahren und gehen, bei Zuwiderhandlungen Platzverweise aussprechen und Anzeige erstatten.

Die Zustände rund um den See sind jedenfalls seit Jahren ein Ärgernis. Regelmäßig müssen die Pächter der Seen wie Surfclub und Fischereivereine auf Müllsuche gehen. Circa 60 Kubikmeter kommen pro Jahr zusammen. Die Kosten dafür gehen ebenfalls zulasten von Hofkammer und Landkreis. Dennoch stapelt sich der Müll gerade jetzt im Sommer auf Wiesen, unter Büschen oder den Gräben. Neben Glas und Plastik sind es insbesondere die zurückgelassenen Grill- und Nahrungsreste, die die Aufräumer zu Ekelschauern treiben. Maden, Fliegen, Mäuse und Ratten bevölkern die Haufen. Pape: „Da kriegen selbst Hartgesottene eine richtige Gänsehaut von.“ Dazu werden Bäume und Büsche abgeknickt oder abgehackt, um Holz für die Lagerfeuer zu haben. Oder aber es kommt zu ruhestörendem Lärm und nächtlichen Schlägereien. „Das ist alles nicht mit dem Landschaftsschutzgebiet vereinbar.“

Um dem Verbot Nachdruck zu verleihen und Lücken zu schließen, soll im Herbst rund um den See großflächig angepflanzt werden. Der Badestrand soll sich selbst überlassen werden und nach und nach zuwuchern.

Wie Pape betonte, wird das Gebiet natürlich weiterhin für Spaziergänger, Wanderer, Naturliebhaber oder Radfahrer geöffnet bleiben. Immerhin durchziehen diverse ausgewiesene Rad- und Wanderwege das Gebiet. Und auch die Pächter sind nicht betroffen: Es darf weiter gesurft und geangelt werden.

Allerorten türmen sich die Müllberge wie hier am gesperrten Parkplatz, den langsam die Natur zurück erobert.




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