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Kreis-Vorsitzender Lenz: Hauptschule gehört zu Verlierern / Kritik an Pörtner

GEW fordert "tabufreie Diskussion um Weiterentwicklung des Schulwesens"

Landkreis (ssr). Auf großes Interesse stoßen in den Schaumburger Reihen der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die jüngsten Äußerungen hiesiger Politiker zu den Plänen der niedersächsischen SPD, einen grundsätzlichen Neuaufbau des Schulsystems anzupeilen.

veröffentlicht am 12.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Bei der Kreis-GEW kommt nach den Worten des Vorsitzenden Friedrich Lenz die Befürchtung auf, "dass die sachlich gebotene Auseinandersetzung um die Zeitgemäßheit des dreigliedrigen Schulwesens schnell unter die Räder kommt, wenn Politikroutiniers wie der CDU-Abgeordnete Friedel Pörtner in kraftmeierischer Form längst überholte, weil wenig aussagekräftige Kampfbegriffe wie den der Einheitsschule aus der Zeit des ,Kalten Krieges' hervorkramen, um eine sinnvolle Sachdiskussion abzuwürgen". Stattdessen plädiert Lenz für eine Orientierung an den Ergebnissen zahlreicher Sachuntersuchungen. Danach bleibe festzuhalten, dass das deutsche Schulsystem "international mittlerweile als Anachronismus gilt, der in seinen Grundbestandteilen aus dem 19. Jahrhundert stammt". In kaum einem anderen hochentwickelten Staat würden Kinder so früh auf verschiedene Schulformen verteilt und so deren Bildungschancen zementiert, weil das System nach oben so undurchlässig und ungerecht sei. Es falle ferner auf, so Lenz, dass auch Handwerkskammern und Industrieverbände sich für längeres gemeinsames Lernen und damit eine Gemeinschaftsschule einsetzen, in der Kinder bis zur zehnten Klasse zusammenbleiben. Entscheidender Bedeutung aus Sicht der GEW komme der optimalen Förderung des Einzelnen zu, um zu verhindern, dass schwache Schüler nach unten durchgereicht werden, und um Spätentwicklern eine Chance zu geben. Aus Sicht der GEW sei zu bezweifeln, ob die Herausforderungen einer künftigen, stark wissensbasierten Gesellschaft vom dreigliedrigen Schulsystem bewältigt werden können, "das an eine Standesgesellschaft erinnert und in der Praxis mitnichten begabungsgerecht wirkt". Eltern werden, sagt Lenz voraus, weiterhin für ihre Kinder die jeweils höhere Schulform anwählen, was dazu führen werde, dass die Hauptschule ohne Verschulden der Lehrkräfte zu den Verlierern gehört. Zudem werde der Schülerrückgang für ein Flächenland wie Niedersachsen die Probleme bei der Aufrechterhaltung der Dreigliedrigkeit in nicht allzu ferner Zukunft drastisch verschärfen. Zu glauben, die Lösung liege in einem zweigliedrigen Schulsystem aus Gymnasium und einer Sekundarschule, sei irreführend, weil sie letztlich einen Bogen mache um die entscheidende Frage der optimalen individuellen Förderung. Angesichts dieser Perspektiven plädiere die GEW "für eine tabufreie Diskussion um eine echte Weiterentwicklung des Schulwesens, die sich an internationalen Modellen hochentwickelter Staaten orientiert". Der SPD-Vorschlag sei dazu ein sinnvoller Beitrag.




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