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Hund frisst Mäusegift, ohne großen Schaden zu nehmen / Staatsanwalt mahnt Landwirt zur Vorsicht

Giftkörner in der Feldmark – Freispruch

Rodenberg/Stadthagen. Ein Landwirt aus Rodenberg, der am Rande seiner Felder Mäusegift verstreut haben soll, wird nicht bestraft. Der Hütehund eines Tierheilpraktikers hatte im September 2012 von den Körnern gefressen. Weil der Briard weder gestorben ist noch länger anhaltenden Schmerzen oder Leiden ausgesetzt war, hat das Amtsgericht Stadthagen den angeklagten Bauern (48) vom Vorwurf freigesprochen, gegen den entsprechenden Paragrafen im Tierschutzgesetz verstoßen zu haben.

veröffentlicht am 21.02.2016 um 20:19 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:34 Uhr

Außerdem steht nach der Beweisaufnahme mit mehreren Zeugen nicht eindeutig fest, wer die Giftköder damals ausgebracht hat. „Sie haben Glück gehabt, dass der Hundebesitzer umsichtig, richtig und schnell reagiert hat“, machte Richter Lukas Veith dem Angeklagten klar. Nachdem sein Vierbeiner von dem Gift mit Vanillegeruch gefressen hatte, war der Heilpraktiker („Es ging um Leben und Tod“) zum Hof des 48-Jährigen gefahren, um für die bestmögliche Behandlung nach dem Namen des Präparates zu fragen. Der Landwirt habe ihm den Giftsack gegeben und sich auch sonst „korrekt verhalten“.

Von einer Tierärztin bekam der Briard später ein Brechmittel. „Er hat das gut überstanden“, erinnert sich der Heilpraktiker. Für eine Verurteilung nach dem Tierschutzgesetz reichten die Leiden durch das Erbrechen nicht aus. Vergiftungserscheinungen hatte die Ärztin nicht festgestellt.

Vor Gericht plädierte Staatsanwalt Günter Wilkening nun auch auf Freispruch, redete dem Angeklagten aber ins Gewissen. „Die Gesellschaft hat sich gewandelt“, so Wilkening. „Früher sah man auf den Feldern nur Bauern, heute sind auch viele Hundebesitzer unterwegs. Dem ist Rechnung zu tragen.“ An die Adresse des Landwirts fügte er hinzu: „Sie müssen vorsichtiger sein.“ Nach Angaben des Hundebesitzers war das Gift an der Stelle, wo der Hund davon gefressen hatte, großflächig verstreut.

Verteidiger Nikolai Venn sieht einen Interessenkonflikt. Auf der einen Seite das Interesse des Landwirts, seine Felder vor Schädlingen zu schützen, auf der anderen das von Hundebesitzern, in der Landschaft spazieren zu gehen. „Ich versichere, dass alle Beteiligten diesen Vorfall sehr bedauern“, betonte Venn.

Im vergangenen September hatte sich schon einmal ein Prozess um Giftköder in der Rodenberger Feldmark gedreht, allerdings in einem anderen Fall (wir berichteten). Damals war ein 37-Jähriger vom Vorwurf der Verleumdung freigesprochen worden, der andere Hundebesitzer im Internet gewarnt hatte.

„Der Fahrer mit diesem Auto verstreut Mäuse- und Rattengift am Rande seiner Felder (Gehwege)“, schrieb er im September 2014 und bebilderte dies mit einem Foto, das den Wagen des Rodenberger Bauern zeigte. Das Kennzeichen war gut erkennbar. Weiter hieß es: „Der Typ sagt, Hunde sind ihm egal. Es geht ihm um seine Felder.“ Falsche Tatsachenbehauptungen sah das Amtsgericht in diesen Sätzen nicht. Deshalb: Freispruch. ly




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