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Plattdeutscher Kleinkünstler Jan Graf aus Buxtehude in der Stadtbücherei

Glas Gurken, Weichspüler und einen Eiskratzer für grenzenlose Treue

Bückeburg (mig). „Echt wohre“ Geschichten und „leichtsinnige“ Lieder hat dieser Tage der plattdeutsche Künstler Jan Graf aus Buxtehude zum Besten gegeben. Die gut besuchte Veranstaltung war Teil einer Kooperation zwischen Stadtbücherei und der Begegnungsstätte und wurde vom Land Niedersachsen gefördert.

veröffentlicht am 14.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:21 Uhr

Platt ist out? Wer sich im Obergeschoss der Stadtbücherei Bückeburg umschaut, mag das kaum glauben. Zwar sitzen auch einige ältere Damen und Herren im Publikum – der Großteil gehört aber zu Generation „50 plus“, Jungvolk, das Jan Graf aus dem Radio kennt (NDR – „Hör mal’n beten to“). „Wir sprechen zwar kein Plattdeutsch, interessieren uns aber für diese Sprache. Verstehen können wir es“, meint das Ehepaar Bruns. Melanie Blaume hat das Platt schnacken von ihrer Oma gelernt. „Ich möchte das ein wenig auffrischen. Im Alltag spricht man es ja nur sehr selten“, erläutert sie den Grund ihres Hierseins.

Ein anderer Grund ist schlicht die Tatsache, dass Abende mit dem Dampf-Plauderer Jan Graf viel Spaß versprechen. Er kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, erzählt von der „Rentner-Bravo aus der Apotheke“ und „der Feuerwehr-Marmelade: Hacke-Peter“. Stichwort „Payback-Karte“: „Mir kommt es vor allem auf die Treuepunkte an. Ich kaufe immer in den gleichen Läden und gehe nie fremd.“ Auf diese Weise, so der Kabarettist aus Buxtehude, habe er schon ein Glas Gurken, einen Weichspüler und einen Eiskratzer erhalten. „Und wenn ich beim Rubellos dreimal 1000 Euro gewinne, fahre ich zur Tankstelle, tanke voll und verballer das Benzin in der Feldmark, bis alles weg ist.“ Lange Pause, dann sagt Graf leise: „Ich hab ja auch ein Heft bei der Tankstelle.“ Großes Gelächter, Applaus.

Ärgerlich findet der Kleinkünstler nur, dass ihn seine Frau bisher nie für seine Treue belohnt hat, „dabei habe ich als plattdeutscher Unterhaltungskünstler viele Gelegenheiten zum Fremdgehen.“ Dass seien aber doch alles „olle Lüte“ wendet eine Dame aus dem Publikum ein. „Das ist mir egal“, gibt Graf zur Antwort. „Im Zeichen des demografischen Wandels nimmst Du alles mit.“ Und: „Ich habe inzwischen so viele Groupies, dass ich vor Rollatoren manchmal gar nicht mehr in meine Garderobe komme.“

Eher besinnlich gehalten sind seine plattdeutschen Lieder, in denen er von der Region erzählt und über „all dat lütt Leben“ und das „in de Eer vergahn“ philosophiert. Dazu das sanfte Schwingen der Gitarrensaiten und ein melancholischer Gesang. So klingt Platt. So kann Platt klingen.




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