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Staatsbadgeschäftsführer: Zu wenige Patienten sind gesund genug für "Medifit"-Angebote

Glasbrücke: Pläne enden als Scherbenhaufen

Bad Nenndorf (fox). Das Niedersächsische Staatsbad Nenndorf hat die Pläne für die Glasbrücke, die die Rheuma-Klinik mit dem Reha- und Sportbereich "Medifit" im Schlammbadehaus verbinden sollte, verworfen. Stattdessen wird nun der bestehende "Bademanteltunnel" saniert. Als Hauptgrund nennt Staatsbad-Geschäftsführer Peer Kraatz die gestiegene Zahl der Reha-Patienten, die körperlich nicht in der Lage seien, die Angebote im "Medifit" zu nutzen.

veröffentlicht am 07.07.2008 um 00:00 Uhr

Ende April hatte sich die Politik nach jahrelangem Gezerre noch dazu durchgerungen, den Bebauungsplan "Wilhelmstraße" zu ändern und so den Weg freigemacht für Glasbrücke und Anbau der Rheuma-Klinik. Heute ist ein Teil des Plans schon wieder Makulatur. Offiziell hatte Kraatz die Ratsleute als Gast in der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung (VA) vor 14 Tagen von seiner Entscheidung informiert. "Nur noch durchschnittlich zehn bis 15 Prozent unserer Patienten sind aufgrund ihrer Multi-Morbidität in der Lage, die Angebote im ,Medifit' zu nutzen", erklärt Kraatz. Dies hänge zusammen mit den frühzeitigen Überweisungen der Patienten aus den Akut-Häusern in die Reha-Kliniken. Zählungen in den vergangenen 18 Monaten hätten ergeben, dass deshalb nur maximal 30 Patienten täglich die rund 340 000 Euro teure Glasbrücke nutzen würden. "Rollstuhlfahrer beispielsweise könnten die Geräte dort nur in 1:1-Betreuung nutzen - das ist personell für uns nicht machbar." Wie Kraatz sagt, sei diese Entwicklung nicht vorhersehbar gewesen. Als weiteren Grund für die Entscheidung Pro-Tunnel hat Kraatz dem VA dem Vernehmen nach auch das Image der neuen Wellness-Angebote für Gäste von außerhalb im Schlammbadehaus genannt. Ohne derart offene Präsentation des Klientels per Glasbrücke würde dem Angebot besser gerecht. Kraatz auf Anfrage dazu: "Allein stehende Gebäude lassen sich besser vermarkten." Das Staatsbad Nenndorf greift also auf den "Bademanteltunnel" zurück. Nach Gesprächen mit Aufsichtsrat, der Oberfinanzdirektion, mit Architekten und der Stadt gibt es nun Licht am Ende des Tunnels - was im Wortsinn auch für die Optik der derzeit wenig ansehnlichen Anlage gilt. Nach Kraatz' Planungen soll über den Nachtragshaushalt des Staatsbades ein Teil der gesparten Baukosten für die Brücke eingesetzt werden, um den Tunnel zu sanieren und adäquat zu gestalten. Medien könnten außer hellen Fliesen ebenso zum Einsatz kommen wie beispielsweise Tageslichtinstallationen, so der Geschäftsführer. Dies wolle er jedoch dem hannoverschen Architekturbüro BKSP überlassen, das derzeit mit den Planungen betraut ist. Das "Medifit", das ins zweite Obergeschoss des Schlammbadehauses umziehen wird, gewinnt nun einerseits Fläche für eine Lounge. Auf der anderen Seite wird jedoch mit Verzicht auf die Glasbrücke die direkte Verbindung zum geplanten Kurs- und Gymnastikbereich im gegenüberliegenden Gebäude gekappt - die Gäste müssen Aufzüge und Tunnel nutzen. Kraatz hält dies für unproblematisch: "Das Kursbereich-Klientel geht direkt in die Klinik."




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