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Dieter Rathgeber über Natur, göttliche Zeichen und die praktische Seite der Religion

Glaube als Heimat

HAMELN. Kann Glaube Heimat sein? „Unbedingt“, antwortet Dieter Rathgeber auf diese Frage, blickt dann hoch von seinen Notizen und den vor ihm liegenden Fotos – und unterstreicht seine Antwort mit einem freundlichen und warmen Lächeln.

veröffentlicht am 26.05.2019 um 11:00 Uhr
aktualisiert am 28.05.2019 um 19:35 Uhr

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Jens-Thilo Nietsch

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Zufrieden und klar strukturiert berichtet der 80-Jährige von seinem Leben, das man als Außenstehender und Zuhörer durchaus als bewegt, dramatisch, schön, abwechslungsreich und erfüllt beschreiben darf. Seit mittlerweile acht Jahren lebt der gebürtige Göttinger in Hameln, zusammen mit seiner Frau Renate im Hamelner Klütviertel. Nach zwölf Umzügen hat er hier in Hameln seine Ruhe und vor allem auch seine Heimat gefunden, wobei er den Begriff „Heimat“ nicht nur durch Orte, Regionen oder auch Sprache definiert. Rathgeber, Vater von vier Kindern und Opa von neun Enkelkindern, findet auch im Glauben ein großes Stück Heimat.

Die Wurzeln dafür liegen in seiner Kindheit und in der religiösen Erziehung. „Es war aber in dem Sinne keine strenge oder autoritäre Erziehung. Es waren nicht traditionelle, religiöse Rituale wie der sonntägliche Kirchgang oder das Beten am Tisch vor Mahlzeiten, sondern es war mehr das praktische Handeln im Alltag, die Entscheidung, Gutes zu tun. Sich dafür zu entscheiden und dann danach zu handeln“, erklärt Rathgeber. Ein richtiger Bibelleser sei er auch nie gewesen, denn da stehe auch viel Schlechtes drin.

Maßgeblichen Anteil an seiner Einstellung zum Leben und zum Glauben hatte seine Oma Emma. „Mit ihr habe ich als Kind oft zusammen im Garten etwas gemacht, die war ein richtiges Arbeitstier“, erinnert sich Rathgeber an seine Oma, die bedingt durch die Schwerkriegsschädigung ihres Mannes aus dem 1. Weltkrieg die Rolle der starken Frau in der Familie übernommen hatte. „Sie hat mir oft dabei geholfen, zu entscheiden, was gut und was schlecht ist, eben auf der christlichen Grundlage“.

3 Bilder
„Dieter Rathgeber mit seiner Hündin Lina an einem seiner Lieblingsplätze. Er sagt: „Der Mensch ist Teil der Natur, also Teil des Göttlichen.“ Foto:jtn

In seiner Jugend engagiert sich Rathgeber dann in Göttingen in der evangelischen Jugendarbeit, organisiert Fahrten, Ausflüge oder auch Feste.

Es folgt ein ereignisreiches Berufsleben mit Aufenthalten unter anderem in Mannheim, Münster, Hannover, Steinhude und Weinheim, bevor es ihn dann ins Weserbergland verschlägt, seine heutige Heimat. „Ich wollte immer schon ländlich bleiben“, beschreibt Rathgeber die Vorzüge der Region, an der er auch die schöne hochdeutsche Sprache schätzt.

Davon abgesehen ist es auch hier sein Glaube, der ihm ein Heimatgefühl vermittelt und dem er auf seinen zahlreichen Spaziergängen durch den Wald immer wieder begegnet. Leidenschaftlich gerne ist er in der Natur unterwegs und steht oft ehrfürchtig im „wunderschönen“ Mischwald. „Das ist für mich göttlich. Das sind göttliche Signale, die hier ihren Glanz verbreiten und in der Natur sichtbar werden“, schwärmt Rathgeber von seinen Ausflügen in den Klütwald. Für den Fall, dass er nicht in seiner geliebten Natur unterwegs ist, hat er sie sich nach Hause geholt. Auf dem Tisch im Wohnzimmer stehen nicht zufällig ein paar Maiglöckchen. „Das ist für mich eine göttliche Blume, ein Mensch kann so etwas nicht erschaffen. Da sieht man die praktische Seite der Religion“, so Rathgeber.

Zu seinem evangelischen Glaubensverständnis gehört auch das Bekennen zum Heiligen Geist. In vielen Situation, in denen man vor Entscheidungen stehe, habe man ja manchmal das Gefühl, eine Eingabe „von oben“ zu haben, im Sinne von „mach das“ oder eben „mach das nicht“. Für ihn ist das der Heilige Geist, auf den man viel öfter hören sollte. „Man lässt sich heute viel zu viel abnehmen durch die vielen Möglichkeiten, die es mittlerweile gibt, sich zu informieren. Man sollte aber öfter auf die innere Stimme hören“. Sinnbildlich für den Heiligen Geist steht für ihn die Friedenstaube: „Sie verbreitet Frieden und somit den Heiligen Geist, so interpretiere ich mein Glaubensbekenntnis.“

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