weather-image
×

„Benzin im Blut“: Rolf Depping aus Rodenberg konstruiert und fertigt Motoren in Miniaturform

Goldmedaillen für einen „Modellathleten“

Rodenberg (nah). Es röhrt gewaltig, wenn der Propeller anspringt. Der Neunzylinder-Sternmotor hat Charles Lindbergh in seiner Maschine auf dem ersten Nonstop-Flug über den Atlantik getragen. Nun steht ein Modell im Maßstab 1:4 in der Werkstatt des Rodenbergers Rolf Depping und wartet nur darauf, wieder einmal seinen satten Klang hören zu lassen. Der 82-Jährige hat noch mehr Alternativen für eine ungewöhnliche Lärmkulisse: Insgesamt sieben legendäre Flug- oder Motorrad-Motoren sind bereits in seinen Händen entstanden.

veröffentlicht am 14.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:22 Uhr

Der ehemalige Kraftfahrzeugmeister hat Öl und Benzin im Blut. Vater August Depping gründete 1927 das gleichnamige Autohaus. Außer den ersten „Opel“-Modellen wurden an der Ecke von Lange Straße und Jagdgarten Traktoren und Motorräder verkauft und repariert. Bald nach dem Krieg traten die Söhne Rolf und Werner ins Unternehmen ein: Der eine übernahm den technischen, der andere den kaufmännischen Bereich. Rolf Depping schied 1991 aus, weil ein junger Meister zur Verfügung stand. Jedoch: „Das war wohl ein bisschen zu plötzlich.“

Denn nach wenigen Monaten im Ruhestand stellten sich unerklärliche gesundheitliche Probleme ein. Sogar die Mediziner standen vor einem Rätsel, bis Depping mit einer Erinnerung an die eigene Kindheit einen Ausweg aus der Krise fand: Als Zwölfjähriger habe er sich einen Flugzeugbausatz gekauft, dessen Motor jedoch nie gelaufen sei. Nun sah er eine Herausforderung: Am Lebensabend endlich ein Motormodell zu bauen und es zum Laufen zu bringen. Die Herzbeschwerden waren weg.

Über eine Zufallsbekanntschaft stieß er auf eine amerikanische Zeitschrift, die Motormodellbauern Tipps gab und Konstruktionszeichnungen abdruckte. Depping frischte seine Englischkenntnisse auf und vertiefte sie mit technischen Begriffen. Und er richtete sich mit Dreh- und Fräsmaschine eine Werkstatt ein, um Gussteile zu verfeinern. Sein Ziel: ein Vierzylinder-Reihenmotor der Marke De Havilland Cirrus.

Der Nachbau eines Neunzylinder-Sternmotors, der am Sonntag beim Museumstag in Lauenau zu hören sein wird.

„Das war schon eine persönliche Herausforderung“, beschreibt er die Pflicht zur Präzision: „Das musste auf hundertstel Millimeter genau stimmen.“ Sogar eine Nockenwellen-Schleifmaschine hat er sich selbst aus einer alten Bremstrommel gebaut.

Dem Reihenmotor folgte der aus Lindberghs Zeiten überlieferte Stern-Motor. Doch das genügte Depping bald nicht mehr. Der einst passionierte Motorradfahrer erinnerte sich an legendäre Rennmaschinen seiner Jugendjahre. Eine Einzylinder- Norton sollte es sein. Nur eine sogenannte „Explosionszeichnung“ stand ihm zur Verfügung; die Maße konnte er von einem Museums-Original abnehmen. Den Rest aber musste der in Fachkreisen schon „Modellathlet“ genannte Rodenberger selber ermitteln.

Er fertigte Zeichnungen an und ließ alle Bauteile von Hand in seiner kleinen Werkstatt entstehen: Selbst die vielleicht noch im Handel erhältlichen Schrauben und Muttern genügten seinen Qualitätsansprüchen nicht. Ein Jahr später röhrte der Motor nach dem Insider-Motto: „Es gibt nur einen Ton, nämlich Norton.“ Deppings Ehrgeiz war endgültig geweckt. Einem BMW-Rennmotor aus den dreißiger Jahren folgte ein DKW-Aggregat und schließlich der Zweizylinder-V-Motor einer 500er Husqvarna, die 1933 und 1935 zu Europameister-Ehren gelangt war. In der Vitrine im Wohnzimmer blinken die Modelle mit Goldmedaillen um die Wette. Dreimal hat der Rodenberger Konstrukteur in Großbritannien bei Prämierungen bereits gewonnen. Außerdem brachte er einmal Silber und zweimal den begehrten Westbury-Wanderpreis mit nach Hause. Ein dickes Album dokumentiert alle Arbeiten von der Zeichnung bis zum lauffähigen Produkt.

Aber er ist ein Einzelkämpfer geblieben. Während in den USA und auch in Großbritannien der Modellbau recht ausgeprägt ist, soll es in Deutschland nur noch im Rhein-Main-Gebiet einen kleinen Kreis Gleichgesinnter geben. Doch das ist Depping egal: Sein nächstes Projekt sei „zwar noch ganz weit hinten im Hinterkopf“; aber er ist sich schon sicher: „Der 350er NSU-Rennmax soll es sein.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige