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In 100 Kilometer Umkreis keine Intensiv-Betten / Operationen werden abgesagt

Grippewelle überrollt Schaumburger Klinikum

LANDKREIS. Die Grippewelle breitet sich immer weiter über ganz Deutschland aus. Auch Schaumburg wird nicht verschont. Gestern wurde nach SZ/LZ-Informationen eine eilige Krisensitzung mit der Klinikum-Geschäftsführung, dem DRK-Rettungsdienst, der DRK-Bereitschaft, den Chefärzten und dem Pflegedirektor einberufen, bei der das weitere Vorgehen besprochen wurde – und offenbar auch das „Worst-Case-Szenario“. Um alle 30 Betten der Intensivstation zu betreuen, muss bereits Personal von anderen Stationen abgezogen werden.

veröffentlicht am 05.03.2018 um 19:20 Uhr
aktualisiert am 05.03.2018 um 21:02 Uhr

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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Denn durchschnittlich hat das Klinikum derzeit 30 Prozent mehr Patienten – in manchen Zeitfenstern sogar bis zu 80 Prozent mehr –, die mit grippetypischen Zeichen in die Notaufnahme kommen, so eine Pressemitteilung des Klinikums. Holger Finke, Leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme: „Wir haben momentan viele Patienten, denen es so schlecht geht, dass sie beatmet werden müssen.“ Und gerade bei diesen Beatmungsfällen – sie müssen auf die 30 Intensiv-Betten des Krankenhauses aufgeteilt werden – hakt es derzeit offenbar massiv.

Schon jetzt muss zusätzliches Personal aus anderen Stationen – insbesondere aus der OP-Abteilung – abgezogen werden, um „bestmögliche ärztliche und pflegerische Behandlung zu garantieren“, so eine Stellungnahme des Klinikums Schaumburg. Daher werden jetzt Operationen von nicht lebensbedrohlich erkrankten Patienten am Klinikum abgesagt. „Die Notfallversorgung geht vor“, so Klinikum-Geschäftsführer Achim Rogge.

Allerdings steht im Klinikum noch eine komplette Intensivstation leer – sie wird nach unseren Informationen seit der Eröffnung nicht genutzt. Laut Klinikum-Geschäftsführer Rogge liegt das daran, dass man davon ausging, einen Teil der Betten nicht zu brauchen. Für diese zwölf Intensiv-Betten existiert derzeit kein Personal – das sei aber auch nicht eingeplant gewesen. An einem von der Gewerkschaft Verdi und anonymen Klinikum-Mitarbeitern beklagten „Personalnotstand“ (wir berichteten) liege das nicht.

Da zu befürchten ist, dass sich die Grippe-Situation weiter verschlechtert wurde nach Informationen unserer Zeitung bereits der Einsatzzug der DRK-Kreisbereitschaft informiert. Dieser soll im Ernstfall sogenanntes „teilgeschultes Personal“ bereitstellen, wenn die Kapazitäten des Krankenhauses trotz interner Verlegungen nicht mehr ausreichen sollte. Der DRK-Einsatzzug würde dann sogenannte „Sitzwachen“ bei Beatmungspatienten durchführen.

Das Klinikum spricht in seiner Pressenotiz von einem niedersachsenweiten „Ausnahmezustand“. Alle Krankenhäuser, die im Umkreis von 100 Kilometern von Schaumburg liegen, hätten sich von der Versorgung von Intensivpatienten abgemeldet. In Hameln gab es bereits eine erste bestätigte Grippe-Tote.

Aufgrund der derzeitigen Situation appelliert daher die Klinikum-Leitung: „Wenn Sie Anzeichen eines grippalen Infektes haben, bitte rufen Sie NICHT die 112 an, sondern setzen Sie sich mit Ihrem Hausarzt in Verbindung, damit dieser Sie behandelt. Den Rettungsdienst sollen Sie selbstverständlich rufen, wenn Sie an Herzschmerzen, Schmerzen im Oberarm, die ausstrahlen, Atemnot oder Ähnlichem leiden.“

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