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Analyse zur Stimmenwanderung bei der Kreistagswahl / Ergebnisse mit wissenschaftlichen Methoden untersucht

Größter "Wahlgewinner" sind im Kreis die Nichtwähler

Landkreis (kk). Die Mehrheitsverhältnisse in den Räten und die Zahl der Mandatsträger der Parteien und Gruppierungen bestimmen die politische Diskussion am Wahlabend. In der genauen Analyse "am Tag danach" rücken andere Gesichtspunkte in den Mittelpunkt des Interesses: Wer hat an wen verloren, welche Partei hat der Konkurrenz die meisten Stimmen abgejagt? Fragen wie diese beantworten Wahlforscher mit so genannten Wanderungsanalysen. Für unsere Zeitung hat das Ulmer Institut für Wahl-, Sozial und Methodenforschung (IWSMF) die Kreistagswahl unter diesen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen. Erschreckendes Ergebnis: Größter "Wahlgewinner" ist die Gruppe der Nichtwähler.

veröffentlicht am 12.09.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Und die hat von fast allen Parteien und Wählergemeinschaften profitiert. Nach der Analyse der Wahlforscher sind jeweils 3400 Stammwählerinnen und -wähler von SPD und CDU zu Hause geblieben. Beiden großen Parteien ist es demnach in Schaumburg nicht gelungen, ihr Wählerpotential auszuschöpfen. Sie liegen dabei nach Untersuchungen des IWSMF sogar noch unter dem Landestrend: SPD im Land minus 1,8 Prozent, im Kreis minus 2,5 Prozent; CDU im Land minus 2,1 Prozent, im Landkreis 2,6 Prozent. Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit werden zwei Schlagworte sein, die mit der Kommunalwahl 2006 auch in Schaumburg verbunden bleiben. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten blieb zu Hause - die Wahlbeteiligung von 51,92 Prozent markiert auch für den Kreistag einen Tiefstand. Diese Entwicklung wird von Politikern aller Parteien mit großer Sorge betrachtet. Die Wahlforscher errechnen für Schaumburg eine Zunahme der Nichtwähler in absoluten Zahlen von 8394 gegenüber der Kommunalwahl 2001. Dabei wird der Begriff "Nichtwähler" eher weit gefasst: In diese Zahl fließen auch ungültige und "verschenkte" Stimmen ein. Wer also zum Beispiel anstatt drei Kreuzen auf dem Wahlzettel nur eines macht, wird mitgezählt. In Prozentzahlen: Es blieben 6,3 Prozent mehr Schaumburger den Wahlurnen fern als 2001. Im Gegensatz zu den Großen mobilisierte die FDP einige neue Wähler aus dem Kreis der Wahlmüden (plus 0,1 Prozent oder 200 Stimmen). WIR und WGL (Linke) waren 2001 noch nicht dabei. Während die WGL von bisherigen Nichtwählern und einigen SPD-Flüchtigen profitierte, sammelten die Wählergemeinschaften ihre Stimmen inerster Linie von den etablierten Parteien - vielleicht auch ein Zeichen der Unzufriedenheit mit der Großen Koalition in Berlin. Die Wählerströme von einer Gruppierung zur anderen sind allerdings im Landkreis 2006 nicht besonders ausgeprägt. 500 SPD-Wähler wanderten nach Erkenntnissen der Ulmer Wahlforscher zu den Wählergemeinschaften ab, 100 zur Linken (nicht in unserer Grafik verzeichnet). 800 Wählerinnen und Wähler hat die CDU an die Gemeinschaften verloren. Auffällig ist, dass die Sozialdemokraten im Kreistag scheinbar kaum vom guten Abschneiden und den hohen Sympathiewerten ihres Landratskandidaten Heinz-Gerhard Schöttelndreier profitieren konnten. Bis auf 300 Stimmen von den Grünen sind die Zugewinne von anderen Parteien so gering, dass sie nicht in die Grafik Eingang fanden. So sollen gerade 100 Wähler von der CDU zur SPD gewechselt sein.




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