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Kurpark im Wandel: Der Sonnengarten diente einst als Ruhezone und Präsentierteller

Große Idee eines großen Meisters

Der Bad Nenndorfer Kurpark befindet sich derzeit im Umbruch. Die seit etwa zehn Jahren diskutierte Sanierung der grünen Oase im Herzen der Kurstadt hat nach Promenade und Landschaftspark nun auch den unteren Bereich erfasst. Die Schaumburger Nachrichten widmen sich in der Serie „Kurpark im Wandel“ den Veränderungen, die der Landschaftspark in gut 200 Jahren erfahren hat. Teil 4: Der Sonnengarten

veröffentlicht am 06.09.2013 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:42 Uhr

Der Sonnengarten ist die Idee eines „großen Gärtnermeisters“ gewesen. Im Jahr 1905 wurde das Areal zwischen dem heutigen Hotel „Esplanade“ und der Parkstraße von Carl Thon, dem Vater der Süntelbuchenallee, angelegt. Das Lob kommt aus berufenem Mund, dem seines Nachfolgers, Heinz Götze, der von 1957 bis 1995 Gärtnermeister im Kurpark war.

Götze bezeichnet den Sonnengarten als geschickt angelegt. Thon musste die Sandsteinanordnungen am Hang so austarieren, dass im Bereich vor dem Pavillon eine Ebene entsteht. Denn dort wurden drei Wasserbecken platziert. Der Sonnengarten entspricht mit seiner strengen Symmetrie dem Renaissance-Stil, der durchaus einen Kontrast zur englischen Landschaftsgarten-Optik im restlichen Kurpark bildet. Auch diese Verknüpfung ist Götze zufolge ausgesprochen harmonisch gelungen.

Zuvor hatten sich an der Stelle Gewächshäuser befunden, später eine reine Liegewiese. Für die Kurgäste sollte der neue Abschnitt Platz zum Entspannen bieten, und zwar in der Sonne. Denn die Wasserbecken und der Weg mit den Bänken drum herum bekamen früher noch deutlich mehr Sonnenlicht ab als jetzt, weil die Buchen mittlerweile in die Höhe geschossen sind. Liegen befanden sich zudem auf dem Rasen. Wollten die Kurenden sich im Schatten abkühlen, wandelten sie unter den Bäumen.

Auch wenn die Bahnhofstraße seinerzeit noch weitaus ruhiger war als jetzt, so sollte der Sonnengarten doch eine Art Präsentierteller sein. Kurgäste zur Zeit der Jahrhundertwende wollten gesehen werden, weil Kuren ein Privileg waren. Als sich dies allmählich änderte und zunehmend Menschen mit ernsten Gebrechen in Bad Nenndorf zur Erholung weilten, wirkte sich dies nach Worten Götzes auch auf die Kurparkgestaltung aus: Sitznischen wurden beispielsweise auf der Promenade und auf der Esplanade angelegt, damit sich die Kurgäste zurückziehen konnten. Im Zuge der Sanierung verschwinden die Nischen wieder.

Die asphaltierten Wege im Sonnengarten haben ein helleres Pflaster bekommen. Dieses entspricht aber auch nicht dem historischen Vorbild, als Schotter aus Schlackegestein im Sonnengarten lag. Damals gab es eben noch keine Rollatoren.

Die Wegverbindung vor dem Pavillon hin zum Parallelweg der Bahnhofstraße hätte Götze hingegen schon gern wieder hergestellt gesehen. Eine Sackgasse habe dort keinen Sinn. Immerhin: Von 1905 befinden sich noch Steinvasen, Steinkugeln, die Beckenumrandungen und die Sonnenuhr im Sonnengarten – alles aus Sandstein. Diese waren allesamt nach den Wünschen Thons geformt worden. Götze hält große Stücke auf den Schöpfer von Sonnengarten, Süntelbuchenallee und Erlengrund. Dieser habe auch am Gardasee einen Park angelegt, der noch heute gepflegt werde. Ein Kurgast aus Italien sei so angetan gewesen von Thons Werken, dass er den Deutschen mit diesem Auftrag ausstattete.gus

Haben Sie historische Fotos vom oder Kindheitserinnerungen an den „alten“ Kurpark? Erzählen Sie uns ihre ganz persönliche Geschichte. Das Redaktionsbüro der SN im Haus Kassel ist telefonisch unter (0 57 23) 9 08 41 72 zu erreichen.




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