weather-image
×

"Gruß-aus-Rinteln-Würste" sind das Markenzeichen / Noch Weihnachtsgeschäft

Großes Bedauern bei Stammkunden Weitzel schließt zum Ende des Jahres

Rinteln (cok). "Nein, Sie können doch nicht zu machen!" - solche Worte hört man jetzt oft im Fleischerladen von Friedrich und Else Weitzel. Unter den treuen Kunden hat sich längst herumgesprochen, dass die Weitzels in der Bäckerstraße Ende des Jahres schließen wollen.

veröffentlicht am 19.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Das wird ein echter Verlust für alle, denen das Einkaufen mehr bedeutet, als nur schnell die nötigen Dinge für den Mittags- oder Abendbrottisch zu besorgen. Immer kann man eine nette Nachbarschaftsplauderei mit Else Weitzel hinterm Tresen beginnen, und wenn Fleischermeister Friedrich aus seinen Arbeitsräumen nach vorne in den Laden kommt, geht es nicht ab ohne kleine Schnacks und Scherze. Ganz so, wie man es sich in einem innerstädtischen Traditionsgeschäft nur wünschen kann. Weitzels Thüringer Mett gilt als das beste in der ganzen Stadt, das zuverlässig gute Fleisch stammt von Eichenhof und in einer langen Reihe hängen hier die köstlichen Mettwürste mit einem aufgedruckten "Gruß aus Rinteln"-Wappen, eine Weitzel-Erfindung zur 750-Jahr-Feier der Stadt, die "eingeschlagen hatwie eine Granate!" Die leckeren Bratwürstchen durften auf keiner Messe, keinem Stadtfest fehlen, und ganz besonders beliebt ist der Partyservice, mit einem reichhaltigen Büfett, das sogar in diesem Abschluss-Jahr direkt zu Weihnachten noch einmal ausgeliefert wird. Es sind gesundheitliche Gründe, weshalb die Weitzels zwei Jahre früher als geplant, aber doch nach einem langen Arbeitsleben ihre Fleischerei schließen, die sie 1983 vom Vorgänger Knübel übernommen haben. Gerade 14 Jahre alt geworden war Friedrich Weitzel, als er in Deckbergen seine Schlachterlehre begann, und "Schlachter zu werden, das war für mich eine Selbstverständlichkeit", sagt er. Sein Vater, sein Großvater, alle Vorfahren stammten aus demselben Metier. Von der Pike auf erlernte er sein Handwerk: Das Vieh von der Weide holen, das sorgsame Schlachten, die Zubereitung von Würsten, Schinken und auch den deftigen Eintöpfen, dienun von so vielen Stammkunden vermisst werden müssen. Nach einer siebenjährigen Gesellenzeit in Obernkirchen arbeitete er schließlich als meisterlicher Filialleiter im "Jedermann"-Markt in Rinteln, bevor er sich zusammen mit seiner Frau, die damals noch Bäckereifachverkäuferin war, selbständig machte. "Ach ja, wir sehen die Schließung mit einem lachenden und einem weinenden Auge", meint er. Zwei Wochen im Jahr machten die Weitzels Urlaub, jeder Samstag galt als ganz normaler Arbeitstag und nur zu oft war das gesamte Wochenende durch Partyservice und Würstchenbuden-Verkauf belegt. ElseWeitzel weiß ein Lied davon zu singen, wie es ist, die Tage im kühlen Verkaufsraum zu verbringen, die Arme beim Zuschneiden der Ware auf den kalten Arbeitsplatten aufgestützt. "Und trotzdem - wir hätten gerne weitergemacht!" Noch hat die Fleischerei ja geöffnet, nimmt Bestellungen von Weihnachtsbraten und Filet entgegen und auch die "Gruß-aus-Rinteln"-Würste warten auf ihren Platz in so manchem Weihnachtspäckchen. Wer also eine nahe Erinnerung mitnehmen will, wie es ist, mit Else Weitzelüber Kinder und Enkelkinder zu plaudern oder vom Fleischermeister mit den Worten: "Na, was gibt's Neues in der Stadt" empfangen zu werden, hat dazu noch bis zum 31. Dezember Gelegenheit. All zu viele Geschäfte, in denen diese nachbarliche Atmosphäre herrscht, gibt es ja leider nicht mehr in der Stadt.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige