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Lesekreis der Stadtbücherei besteht seit zehn Jahren

Gut, sich an einem Buch zu reiben

Bückeburg. Drei Tage nicht gelesen, und das Gespräch wird schal: So oder so ähnlich könnte das inoffizielle Motto des Lesekreises der Stadtbücherei Bückeburg lauten. Lesen heißt, durch fremde Hand träumen. Ein Buch lesen? So richtig „in echt“ und nicht am Bildschirm? Das wird – allen Unkenrufen zum Trotz – noch immer praktiziert. Im Lesekreis der Stadtbücherei Bückeburg konnte dieser Tage sogar das zehnjährige Bestehen gefeiert werden.

veröffentlicht am 10.10.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

Wenn im Lesekreis der Stadtbücherei über ein Buch diskutiert wird, kann es schon hoch hergehen. Leises Seitenrascheln, geflüsterte Kommentare? All’ das ist hier nicht notwendig – der Kreis tagt außerhalb der Öffnungszeiten.

„Die besten Abende sind die, an denen es viel zu diskutieren gibt. Am kürzesten sind die, an denen wir uns alle einig sind“, meint eine der Frauen schmunzelnd.

100 Bücher haben die Damen seit der Gründung durchgenommen – Orientierung liefern Branchentreffen wie die Frankfurter Buchmesse oder die Vergabe eines Preises. „Man hört von einem Buch, findet es interessant und stellt es hier vor“, erläutert Kathrin Bormann das Grundprinzip des Lesekreises. Es seien viele Neuerscheinungen darunter. Das gemeinsame Lesen, da ist sich die Gruppe einig, empfinde man als „Bereicherung“ und als „Anregung“. Jeder lese schließlich anders, und darüber etwas zu erfahren, gebe Denkanstöße. Oder anders gesagt: „Im privaten Bereich trifft man nur selten eine Person, die das gleiche gelesen hat. Hier ist es die Voraussetzung.“ Weitere Vorteile sieht der Kreis in der Tatsache, dass man Bücher kennenlernt, die man sonst vielleicht nicht gelesen hätte. Und: „In einer Gruppe ist das Leseerlebnis viel intensiver.“

Für ein „intensives Leseerlebnis“ sorgt auch das Buch von Eva Menasse, über das die Damen an diesem Abend debattieren: „Quasikristalle“. Das sei stilistisch schlecht geschrieben, „und es interessiert mich nicht die Bohne“, lautet der Kommentar einer Teilnehmerin. Das Buch habe Längen „und bei Seite 108 habe ich aufgehört, weiterzulesen, was ich vorher noch nie gemacht habe“. Ein großer Teil der Teilnehmer nickt beifällig, es gibt aber durchaus auch andere Meinungen. „Die Personen waren gut beschrieben“, findet ein Mitglied. Die Geschichte selber sei allerdings nur mäßig interessant gewesen. Nach einer angeregten Diskussion sind sich dann alle einig: „Gut, wenn man sich an einem Buch reiben kann.“

Mit einem Glas Sekt wird auf das kleine Jubiläum angestoßen. Ein kleiner Blick in die Historie zeigt, dass es Johanna Woydt war, die vor zehn Jahren die Idee hatte, einen Lesekreis einzurichten. In Kathrin Bormann, der Leiterin der Stadtbücherei Bückeburg, fand sie schnell eine engagierte Mitstreiterin. „Da habe ich offene Türen eingerannt“, erinnert sich Harmening heute. „Ich hatte selbst schon daran gedacht“, sagt Bormann. Es sei großartig, wie gut sich die Gruppe entwickelt hat.

Allerdings gibt es nur weibliche Mitglieder, weshalb Männer als Lesekreismitglieder höchst erwünscht sind. Warum Männer dem Kreis bisher größtenteils ferngeblieben sind? Sie hätten vielleicht weniger das Bedürfnis, Gedanken über Bücher auszutauschen, mutmaßen die Frauen.

Die Treffen des Lesekreises sind einmal monatlich am Abend ab 19.30 Uhr. Genaue Termine können in der Stadtbücherei erfragt werden.mig




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