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Auch Lehrer unter den Opfern / Zwei erstatten Anzeige / Schule will Aufklärungsarbeit leisten

Gymnasiasten mobben Mitschüler im Internet

Bückeburg (rc). Am Gymnasium Adolfinum gibt es Probleme mit Cyber-Mobbing, auch „Cyber-Bullying“ genannt. Schüler und Schülerinnen haben diskriminierende Eintragungen über Mitschüler im Internet verbreitet und Lehrerinnen und Lehrer beleidigt. In einigen Fällen wurden auch im Unterricht oder in der Freizeit gemachte Handyaufnahmen und -filme ins Internet gestellt, wie etwa Aufnahmen von Ohnmachtsspielen.

veröffentlicht am 07.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 21:41 Uhr

Zwei der diskriminierten Opfer reagierten mit Anzeigen bei der Polizei auf die Beleidigungen und das Verletzen ihrer Persönlichkeitsrechte. Die Schule informierte Ende April in einem Elternbrief; sie will jetzt über die „Anti-Mobbing-Gruppe“ präventiv tätig werden und die Schüler sensibilisieren. „Wir wollen im Zuge der Prävention alle Kräfte bündeln und unsere Schüler zum respektvollem Umgang mit ihren Mitmenschen erziehen“, sagte Rektor Hans-Ulrich Gosemann auf Anfrage unserer Zeitung: „Vielen, seien es Schüler, Eltern und Kollegen, ist gar nicht bewusst, dass solche Eintragungen im Internet eine Straftat darstellen und strafrechtliche und zivilrechtliche Folgen haben können.“

Drei „Zwischenfälle“ aufgehellt

In den bekannt gewordenen Fällen sei die Polizei eingeschaltet worden, schreibt Gosemann in dem Elternbrief. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprach Gosemann von drei „Zwischenfällen“, die im Rahmen einer Klassenkonferenz aufgehellt worden seien. Ob ein Dummer-Jungen-Streich vorliege oder doch mehr, wolle er nicht werten. Was dort im Einzelnen aufgehellt worden ist, dazu wollte der Rektor keine Stellung nehmen.

Die Polizei Bückeburg sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass es zwei Anzeigen wegen Beleidigungen auf sexueller Basis gegeben habe. „Nicht das ganz dicke Ding“, wertete Pressesprecher Ulrich Kaupmann, „aber auf jeden Fall eine erhebliche Belastung für die Opfer.“ In einem Fall sei nach dem Ende einer Teenager-Beziehung noch nachgekartet worden.

Die Polizei könne gegen solche Verunglimpfungen relativ wenig machen, so Kaupmann weiter. Die Zusammenarbeit mit den Betreibern diverser Schüler-Internetplattformen sei aber gut, „eine 1a-Zusammenarbeit.“ Sobald sich Behörden über bekannte E-Mail-Adressen mit den jeweiligen Systemadministratoren in Verbindung setzten, würden solche Einträge umgehend gelöscht. Und: „Die Daten dessen, der solche Einträge gemacht hat, werden uns sofort umfassend preisgegeben.“ Länger als zwei oder drei Tage seien solche Einträge selten im Netz zu finden.

Insgesamt wertete Kaupmann die Cyber-Mobbing-Lage in Bückeburg als eher ruhig. „Es gibt immer irgendetwas, aber alles Kleinigkeiten.“ Das Adolfinum sei kein Einzelfall, Probleme gebe es an allen Schulen – bundesweit.

Aufklärungskampagne soll es richten

Das Adolfinum will jetzt jedenfalls für Aufklärung bei Schülern und Lehrern sorgen. Die Anti-Mobbing-Gruppe, speziell ausgebildete Lehrer (insgesamt drei), initiiert eine umfassende Aufklärungskampagne. So sollen etwa Vertreter der Bückeburger Staatsanwaltschaft noch vor den Sommerferien auf einer Gesamtkonferenz die rechtlichen Hintergründe erläutern. Die Schüler sollen im Unterricht für das Thema sensibilisiert werden. Gemeinsam soll ein verbindlicher Regel- und Maßnahmenkatalog entwickelt und umgesetzt werden.

Gosemann: „Wir wollen Missbräuche der neuen Medientechniken wirksam unterbinden.“ Die Thematik müsse ernst genommen, bereits erfolgte Schädigungen konstruktiv aufgearbeitet werden. „Wir wollen am Adolfinum auch für die Zukunft eine Schulkultur herstellen, in der sich Kinder und Beschäftigte wohlfühlen können und einen Schutzraum der Entwicklung und des Lernens erfahren.“




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