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Neujahrsempfang im Rathaussaal

Handwerker besorgt: „Rettet den Meisterbrief!“

Bückeburg. Die anhaltend gute Stimmung im Schaumburger Handwerk könnte mittelfristig durch einige Unwägbarkeiten getrübt werden. Beim Neujahrsempfang der Volksbank in Schaumburg, der Kreishandwerkerschaft und der Steuerberater zog Kreishandwerksmeister Horst Frensel zwar wie berichtet eine ausgesprochen positive Bilanz, ging aber auch auf einige Risikofaktoren ein. Sorgen bereitet den Handwerkern zum Beispiel der Trend zu Minibetrieben und Einmannfirmen, die durch die Liberalisierung des Handwerksrechts wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Problem: Diese Kleinstbetriebe bilden selten aus, manche halten sich auch nicht lange am Markt. Zur Qualitätssicherung forderte Frensel daher die Politik auf, den deutschen Meisterbrief zu verteidigen. Weiteren Liberalisierungsbestrebungen der EU erteilte er eine Absage. Auch der Europaabgeordnete Burkhard Balz sprach sich gegen eine Aufweichung von Ausbildungs- und Zulassungskriterien aus. Vielmehr wolle er dafür werben, dass das bewährte deutsche Modell auf andere EU-Staaten übertragen werde.

veröffentlicht am 24.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

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Ungeachtet dieser Sorgen herrscht im Schaumburger Handwerk Zuversicht, 95 Prozent der Betriebe schätzen ihre Geschäftslage laut einer Umfrage der Kreishandwerkerschaft positiv ein. Frensel differenzierte hier noch ein wenig nach Branchen: Bedingt durch günstige Zinsen und durch Förderprogramme würden Renovierungs- und Sanierungsarbeiten immer stark nachgefragt. Davon profitierten natürlich Branchen wie Bauhandwerk, Heizungs- und Installations- sowie Elektrobetriebe. Leichte Abstriche gebe es allerdings im Dienstleistungssektor.

Den Optimismus im Handwerk bekommt auch die Volksbank positiv zu spüren. Bankvorstand Joachim Schorling berichtete für 2014 von einem Zuwachs von zwölf Prozent im Kreditgeschäft mit Firmenkunden im Vergleich zum Vorjahr. Während die anhaltend niedrigen Zinsen die Kreditnachfrage beflügelten, seien sie allerdings eine Herausforderung im Anlagebereich. Hier gelte es, für die Kunden „optimale individuelle Lösungen“ zu finden.

Gerhard Pompe, Vorsitzender des heimischen Steuerberaterverbandes, berichtete den 150 Gästen im Rathaussaal von aktuellen Änderungen im Steuerrecht. Besonders die Einführung des Mindestlohns mit einem erheblichen Zuwachs an Bürokratie sei eine Herausforderung. Pompe kritisierte insbesondere die komplizierte Stundenaufzeichnung, die von den Betrieben gefordert werde. Viel Beifall aus dem Saal bestätigte ihn in dieser Auffassung.

Berichtete über Steuergesetze und Mindestlohn: Gerhard Pompe.

„Wie schaffen Sie es nur, beim komplizierten Steuerrecht mit all seinen Änderungen den Überblick zu behalten?“, wollten Vanessa Roos, Marius Spohr und Timon Schorling von Pompe wissen. Die Rintelner Gymnasiasten lockerten die Veranstaltung durch zwei informative Fragerunden auf. Pompes Antwort: „Das frage ich mich manchmal selbst!“ Doch Spaß beiseite: Die Steuerberater würden viel Zeit und Engagement in die stetige Weiterbildung investieren.

Für Heiterkeit im Saal sorgten die Gäste aus der Politik. Der Europaabgeordnete Burkhard Balz und der Bundestagsabgeordnete Maik Beermann wurde wurden von Joachim Schorling als ehemalige „Banker“ und damit Berufskollegen vorgestellt. Konterte Beermann: „Ich habe mir auch nicht vorgestellt, einmal von der Volksbank zu einem solchen Abend eingeladen zu werden.“ Beermann arbeitete nämlich beim Konkurrenten Sparkasse, bevor er hauptberuflich in die Politik wechselte. Auf Nachfrage erfuhren die Gäste, dass er sich gut in Berlin eingearbeitet habe, sich aber immer noch viel Zeit für seine Familie zu nehmen versucht.

Beermann erläuterte auch seine Haltung zur Rente mit 63. Er habe im Bundestag zwar für das Projekt gestimmt, allerdings auch seine Bedenken zu Protokoll gegeben und auf Gefahren bei der Finanzierung hingewiesen. Da müsse wohl noch der eine oder andere Steuereuro in die Rentenkasse fließen.

Balz äußerte sich erstmals wieder öffentlich zur Lage in Griechenland und zur Frage, ob der Mittelmeerstaat in der Währungsunion bleiben solle. Der Parlamentarier wies darauf hin, dass die Verträge keinen Ausschluss zuließen. Doch wer gehen wolle, werde sicherlich nicht aufgehalten. Zu einem solchen Schritt könne er den Griechen aber nicht raten – sie wären dann pleite. Seine öffentliche Zurückhaltung bei diesem Thema begründete Balz mit dem Wahlkampf in Griechenland: Da seien Ratschläge von außen, gerade aus Deutschland kaum willkommen.




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