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Nein – der Schlossnachbau in Japan verfällt nach Schließung des „Glücks-Königreichs“

Hat der Fürst sein grünes Herz entdeckt?

Bückeburg. Hat der Fürst sein grünes Herz entdeckt, baut jetzt Kräuter im Schlosshof an? Oder hat er seinen Gärtnern gekündigt? Diese Fragen könnte man stellen, wenn man die Fotos von Schloss Bückeburg in diesem Artikel betrachtet. Aber keinen Schrecken: Weder ist den fürstlichen Gärtnern gekündigt worden, noch wird die Landpartie in diesem Ambiente stattfinden, noch handelt es sich um eine aktuelle Ansicht des Schlosses Bückeburg in Niedersachsen in Deutschland. Vielmehr ist es der Nachbau des Schlosses Bückeburg in Japan auf der Insel Hokkaido.

veröffentlicht am 03.05.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:41 Uhr

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Das Schloss wurde 1989 von einem japanischen Investor nachgebaut und als Hotel in einem Freizeitpark namens „Glücks-Königreich“ eröffnet. Dieser Freizeitspark in der Stadt Obihior, der Themen rund um die Märchen der Brüder Grimm aufgriff, ist inzwischen pleite gegangen. 2003 wurde der Park geschlossen und dämmert seitdem in einem Dornröschenschlaf vor sich hin. Die Fotos hat unser Leser Lars Melchin auf der Homepage der größten indonesischen Community entdeckt, größtenteils mit indonesischen Erklärungen, aber auch einigen wenigen englischen – aus welchen Gründen auch immer Infos und Fotos dort eingestellt worden sind. Lars Melchin augenzwinkernd: „Leider ist mein indonesisch in der letzten Zeit etwas eingerostet …“

Zur Eröffnung des Schlosses am 1. Juli 1989 war reichlich Prominenz vertreten, wie etwa Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Tomohito. Aus Bückeburg war ebenfalls eine große Delegation nach Japan geflogen. Neben dem damaligen Chef des Fürstenhauses, Philipp-Ernst Fürst zu Schaumburg-Lippe, und dem damaligen Bürgermeister Helmut Preul waren auch die Schaumburger Märchensänger mit nach Japan gereist. Sie gaben dort ein Konzert zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Nachbaus und des gesamten Themenparks, in dem verschiedene Sehenswürdigkeiten und Denkmäler aus anderen deutschen Städten entlang der Deutschen Märchenstraße wie Fachwerkhäuser, das Denkmal der Brüder Grimm aus Hanau oder die Bremer Stadtmusikanten nachgebaut worden waren. Das Kopfsteinpflaster stammt aus Berlin und Dresden.

Mit unter den Märchensängern war die Schwester von Lars Melchin, die vor Kurzem ihren Bruder darauf ansetzte, einmal nachzuforschen, was aus dem Schloss-Nachbau geworden ist. Es ist größtenteils zugewuchert, wie das gesamte “Glücks-Königreich“. Gebäude und Park sind aber weitestgehend noch intakt, kein Vandalismus in Form von eingeworfenen Scheiben oder zerfallenden Gebäuden. Selbst die Wege werden offensichtlich noch in Schuss gehalten.

2 Bilder
Nicht nachgebaut: Das Schlosstor in Japan.

Das Glücks-Königreich mit dem Nachbau des Schlosses war entlang der „Tokachi Glücks-Straße“ gebaut worden, einer Rundreisestraße, mit der japanische Investoren eine Form des Tourismus nach deutscher Art in Japan etablieren wollten: Rundreisen einerseits und längere Hotelaufenthalte andererseits. Das schreibt der Japaner Watanabe Masato in einem 2010 erschienenen Aufsatz „Der Pioniergeist eines grenzenlosen Zeitalters II – Beispiele wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Hokkaido und Deutschland“, nachdem er mit einem der damaligen Investoren gesprochen hatte. Das Ansinnen scheiterte nach Ansicht Masatos letztendlich daran, dass Japaner eintägige Reisen mit dem anschließenden Kauf von Mitbringseln bevorzugen und auch selten länger als eine Woche Urlaub am Stück bekommen.

Im Moment sei nicht deutlich, in welchem Umfang die nicht weiter gewarteten und gepflegten Gebäude des „Glücks-Königreichs noch nutzbar sind.: „Sicherlich bedauerlich und eine Verschwendung“, so Masato weiter. Denkbar aber wären Veranstaltungshallen oder Schulungsgebäude, aber auch ein Platz für ein Oktoberfest oder aber Säle für Opern und Konzerte.




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