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„Heimat ist da, wo das Herz schlägt“

Anfang der 70er Jahre war Bob Finlay nach Hameln gekommen. Der gebürtige Schotte hat sich hier ein neues Leben aufgebaut, doch sein Herz schlägt nach wie vor für die alte Heimat. Uns hat er seine Geschichte erzählt.

veröffentlicht am 27.05.2019 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 28.05.2019 um 19:34 Uhr

Bob Finlay mit seiner Gabi. Foto: privat
Jens-Thilo Nietsch

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HAMELN. Bo‘ness, Ostküste Schottlands, 14 868 Einwohner, nordnordwestlich von Edinburgh gelegen, eine Dreiviertelstunde mit dem Auto entfernt. Wahre Fakten, die aber trotzdem nur die halbe Wahrheit widerspiegeln. Zur ganzen Geschichte gehört Bob Finlay. „In Schottland schlägt mein Herz“ sagt er, macht damit die Geschichte rund und erklärt damit auch sein Verständnis von Heimat – und das als jemand, der länger in Deutschland lebt, als er es in Schottland getan hat.

Als jüngstes von sieben Geschwistern wächst der heute 69-Jährige in der kleinen Hafenstadt auf und verbringt dort eine schöne Kindheit, „mit sehr viel spielen, und das in einer wunderschönen Landschaft“ schwärmt er und vergleicht eben jene Landschaft mit der des Weserberglandes. „Deswegen fühle ich mich hier auch so wohl“, so Finlay. Sein Weg nach Deutschland und damit nach Hameln beginnt 1971 mit Anfang 20 beim Militär, damals noch in Schottland. „Meiner Mutter tat das in der Seele weh, ich war eben ihr Baby“, beschreibt Finlay die Reaktion seiner Mutter auf seinen Entschluss, den Dienst an der Waffe anzutreten. Bis heute ist er übrigens stolz, dass er der Einzige aus seiner Stadt gewesen ist, der es zu den Pionieren geschafft hat.

Im April 1972 ging es dann direkt nach Hameln in die Linsingen-Kaserne. Eigentlich sollte es nach Nienburg gehen, aber sein damaliger Brigadegeneral meinte zu ihm, dass Hameln die bessere Wahl sei. Nach seinem Austritt aus dem Militärdienst und einigen beruflichen Umwegen verschlägt es ihn Anfang der 90er Jahre zur Aerzener Maschinenfabrik, bei der er über 20 Jahre bleibt, bis zur Rente.

Nach dem Renteneintritt folgt dann plötzlich und unverhofft noch das private Glück. Von einem Schottland-Urlaub frisch zurück in Hameln angekommen, kam die Einladung eines Freundes auf ein paar Dartspiele und ein, zwei Bier. Finlay nimmt an und trifft in der damaligen Kneipe seines Vertrauens Gabriele, die bald darauf zu „seiner Gabi“ wird.

Geheiratet wird 2016 in Schottland, „sie sollte ja schließlich mal meine Heimat kennenlernen“, so Finlay. In Hameln fühlt er sich zwar sehr wohl, hat hier viele Freunde, sein privates Leben, mit dem er auch sehr glücklich ist. Aber zwischendurch kommt eben immer mal wieder das Gefühl von Heimweh, und das werde auch nie nachlassen, ist sich Finlay sicher. Wenn es zwischendurch zum Urlaub nach Schottland geht, habe er immer das Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Und irgendwann, so Finlay, wird es für immer nach Hause gehen. „Meine Asche kommt nach Schottland, das ist auch schon alles geregelt“, beschreibt er seinen letzten Weg dorthin, wo alles begann – in seiner Heimat.

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