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Erbe des Leihgebers steht vor Rätsel

Heimatbundjurist: Die Flügelhaube bleibt im Museum

Rodenberg (bab). Der Heimatbund kann nach Ansicht seines Anwalts die Ausstellungsstücke des verstorbenen Friedrich-Wilhelm Hütter behalten. Das hätten die vorgelegten Dokumente ergeben. Der Heimatbund geht nun an die Öffentlichkeit und wertet die Feststellung des eigenen Juristen als Erfolg. Für den hinterbliebenen Lebensgefährten von Hütter bleibt das Vorgehen ein Rätsel.

veröffentlicht am 19.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 00:41 Uhr

„Viel Lärm um Nichts – Flügelhaube bleibt im Besitz des Heimatmuseums Rodenberg“, teilt der Träger, der Heimatbund, in einer Presseerklärung freudig mit. Im Sommer hatte Nixon Christian Flaminzeanu, der mit dem Rodenberger Friedrich-Wilhelm Hütter in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft lebte, die Herausgabe von Hütters Leihgaben gefordert. Der Heimatbund hatte sich in dem Fall juristisch vertreten lassen (wir berichteten). Der beauftragte Rechtsanwalt Klaus-Henning Lemme sieht keine Ansprüche Flaminzeanus auf die Gegenstände.

„Verein hätte sich strafbar gemacht“

„Der Heimatbund hat ganz richtig gehandelt“, sagt Lemme. Nach dem Tod Hütters habe dem Verein nicht klar sein können, wer der rechtmäßige Eigentümer des Nachlasses sei. So hätte sich der Verein sogar strafbar gemacht, wenn er die Exponate herausgegeben hätte. Nach Prüfung Lemmes gebe es aber niemanden, der Anspruch auf die Ausstellungsstücke habe, denn das Erbe sei von allen infragekommenden ausgeschlagen worden. Durch den Kaufvertrag, den Flaminzeanu vorgelegt habe, um zu beweisen, dass er Eigentümer sei, ergebe sich auch kein Anspruch auf die Leihgaben, darunter eine Flügelhaube. Aus dem Vertrag gehe hervor, dass Flaminzeanu Alleineigentümer „aller beweglichen Habe in der Wohnung“ Hütters geworden sei. Damit sei eine Abgrenzung zu den Leihgaben erfolgt, schlussfolgert Lemme.

Wer nun aber stattdessen der sogenannte Rechtsnachfolger von Hütter sei und damit ein Anrecht auf den Nachlass habe, sei nicht Sache des Heimatbundes. „Das müssen die nicht klären“, so Lemme. Bis zu einer Kündigung der Leihgaben durch einen eventuell Berechtigten, bleibe der Verein also Besitzer der Stücke, ohne aber Eigentümer zu sein. Bei den Schenkungen von Hütter an den Verein sei die Sachlage ohnehin eindeutig.

Lemme gibt an, sich die Inventarisierung angeschaut zu haben, die akribisch geführt sei. Die Kartei sei inzwischen digitalisiert worden. Der Vorgänger des derzeitigen Vorsitzenden Henning Dormann habe die Inventarliste „preußisch gründlich“ verwaltet. Bücher, Urkunden, Flachs und eine Trachtenhaube hatte Hütter unter anderem dem Heimatbund überlassen.

„Wem gehören die Leihgaben am Ende?“

Flaminzeanu hat sich mit den Auskünften zunächst abgefunden. Trotzdem ist ihm das Ganze rätselhaft. Denn es müsse doch geklärt werden, wem die Leihgaben am Ende gehören. Bei dem für Nachlassangelegenheiten zuständigen Amtsgericht in Stadthagen treten solche Fälle „so gut wie nie“ auf. Zwei Möglichkeiten sieht Rechtspflegerin Monika Herbst. Bei Leihgaben sollten immer „hieb- und stichfeste Verträge“ geschlossen werden, die regeln, was im Todesfall mit den Exponaten passieren soll. Der „sinnigste Weg“ nach dem Tod eines Leihgebers sei, durch einen Nachlasspfleger die Eigentümerschaft klären zu lassen. Wenn das Erbe von allen ausgeschlagen worden sei, trete als Rechtsnachfolger das Land Niedersachsen ein.

Das bestätigt auch Lemme. Eine Anzeigepflicht für den Heimatbund sieht er aber nicht. Er bezweifelt zudem, dass das Land für Stücke dieses geringen Wertes ein entsprechendes Verfahren einleiten würde.




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