weather-image
25°
×

Mannshohe Bronzefigur gibt Rätsel auf / Spender des Standbilds war aus Brooklyn

Herold, Roland oder gar Märtyrer?

Bückeburg (gp). Solange sich die Bückeburger zurückerinnern können, werden sie beim Gang ins Rathaus von einem stattlichen und entschlossen dreinblickenden „Wachmann“ begrüßt. Warum er dort steht und wie er dort hinkam, weiß so recht keiner. Das hat zu etlichen Spekulationen und mancherlei Erklärungsversuchen geführt.

veröffentlicht am 22.10.2010 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:41 Uhr

Manche Betrachter halten die mannshohe Bronzefigur für einen typischen „Roland“. Kulturhistorischer Hintergrund: Roland-Standbilder sind – als Symbol bürgerlicher Freiheit und kommunalen Selbstbewusstseins – in vielen Städten zu finden. Besonders oft und gern wurden und werden sie seit dem 15. Jahrhundert in Nord- und Nordwestdeutschland aufgestellt. Die wohl bekannteste Figur gibt es in Bremen. Als Namensgeber gilt ein tapferer Ritter und Stadthalter Karls des Großen, dessen heldenhaftes Ende im Jahre 778 später in dem berühmt gewordenen „Rolandslied“ besungen wurde.

Einen weiteren Erklärungsversuch kann man in dem vor 15 Jahren vom hiesigen Historiker Brage Bei der Wieden verfassten Bückeburger Stadtführer nachlesen. Danach handelt es sich bei der von dem Hannoverschen Bildhauer Peter Schuhmacher 1907 entworfenen und in Bronze gegossenen Statue um einen „Herold“. Als Herolde werden in den einschlägigen Fachbüchern unabhängige, meist unbewaffnete und als neutral geltende Abgesandte mit „Schiedsrichterfunktion“ beschrieben. Später sollen sie mehr und mehr mit herrschaftlichen Spezialaufgaben wie Adels- und Wappenkunde („Heraldik“) betraut worden sein. Gestalt und Aussehen des Bückeburger Herolds weisen laut Bei der Wieden eine auffallende Ähnlichkeit mit dem heiligen Eustachius auf Dürers Paumgartner Altar auf. St. Eustachius war der Legende nach ein im ersten Jahrhundert nach Christus lebender, durch eine Himmelserscheinung zum Christentum bekehrter römischer Heerführer. Um dieses Ereignis und den grausamen Märtyrertod des später heilig gesprochenen Ex-Söldners ranken sich zahlreiche Geschichten. Anfang des 16. Jahrhunderts stellte Albrecht Dürer den frommen Mann auf dem heute in der Alten Münchener Pinakothek aufbewahrten „Paumgartner Flügelaltar“ dar.

Für die St.-Eustachius-Erklärung spricht – zumindest indirekt – ein Bericht über die Aufstellung des Standbildes vor gut 100 Jahren in der Landes-Zeitung. „Eine kraftvolle Erscheinung blickt seit gestern (5. Oktober 1907) in seiner Bürgerrüstung aus der dürerschen Zeit vom Rathaus nach der Stadt“, ist darin zu lesen. Die Standarte in seiner Hand trage den Wahlspruch „Das Beste nur soll herrschen“ – ein Wunsch, „der im Rathaus sowohl wie im öffentlichen Leben der Stadt sich immer bewahrheitet finden möge“.

2 Bilder

Spender des „wohl gelungenen Kunstwerks“ am Rathaus war laut Zeitungsbericht „unser Landsmann Gerbracht in Brooklyn, ein Sohn des früheren Bückeburger Bürgermeisters Gerbracht“. Neben der „mächtigen Bronzefigur“ des Bildhauers Peter Schumacher aus Hannover hatte Gerbracht jun. der Stadt auch ein Bild seines von 1864 bis 1870 amtierenden Vaters Karl Gerbracht geschenkt. Es war vom hiesigen Kunstmaler Heinrich Schwiering nach einer Postkarte erstellt worden und für die Ahnengalerie des Ratssaales gedacht.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (05751) 4000-526.




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige