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Mitglieder der Nammer Erntejugend restaurieren einen „Selbstbinder“

Heute Fossil, vor 80 Jahren noch eine Revolution bei der Ernte

Nammen (krö). Als in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg für die Getreideernte die ersten „Selbstbinder“ auf den deutschen Markt kamen, war das in der Landwirtschaft eine kleine Revolution. Hinter der bis dahin gängigen Mähmaschine mit ihrem Mähbalken, damals noch von Pferden gezogen, mussten Gerste, Weizen, Roggen und Hafer aufgeharkt und von Hand gebunden werden. Und plötzlich ersetzte menschlicher Erfindungsgeist all diese Handgriffe, der Mähbinder mähte das Getreide und legte die mit Strohbindfaden gebundenen Garben in langer Reihe zum Aufstellen und Trocknen in Schocken oder Stiegen ab.

veröffentlicht am 03.09.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 02:41 Uhr

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Längst hat der Mähdrescher die damals so wertvolle Technik überholt, an die sich Jan Henning, Florian Picht, Marcel Hartmann und Tim Wagener von der Nammer Erntejugend jetzt erinnerten. Am überholungsbedürftigen Selbstbinder, Fabrikat „Fahr N 25“, in der Scheune von Vater Willi Hartmann wurden von den vier tüchtigen Mechanikern die morschen Förderlaken erneuert. Zu ihrer Freude hatten sie festgestellt, dass die Mechanik der alten Maschine zwar kräftig geschmiert werden musste, ansonsten die Jahrzehnte aber gut überdauert hatte.

Als größtes Problem stellte sich den vier Erntejugendmitgliedern das Anfertigen der Lederschnallen zum Befestigen der Förderlaken dar. Im Freundeskreis wurden Dutzende Ledergürtel gesammelt, dann entsprechend umgearbeitet und mit Schnallen versehen.

Mit dem Beginn der Weizenernte ging’s dann ans Werk. Florian Picht spannte Vaters 15er Deutz vor, Maschinist Jan Henning nahm auf dem Selbstbinder Platz, und mit der Hilfe der beiden anderen Akteure wurde beim reibungslosen Ersteinsatz auf dem „Strengelrott“ zunächst die erforderliche Menge Weizen für die Bindearbeiten zum 136. Nammer Erntefest gemäht und eingefahren, das traditionell am letzten Septemberwochenende über drei Tage gefeiert wird. Der Bedarf an Ähren für die Erntekrone und für Korngirlanden, für die sich Weizen besonders gut eignet, ist erheblich. Als Auftragsarbeit mähte man an den folgenden Tagen für mehrere Landwirte und Gruppen, die beim Erntefest jeweils einen der rund 40 Festwagen aus Nammen gestalten, die zusammen mit einem halben Dutzend Gastgespannen aus dem Bückeburger Raum, Evesen, Kornmasch, Gelldorf, auch in diesem Jahr wieder im größten Erntefestumzug des Mühlenkreises unterwegs sein werden.

Ein ehrgeiziges Ziel haben sich die vier jungen Mechaniker für das nächste Jahr gesteckt. Mit einer zur Zeit noch „flügellahmen“ nostalgischen Dreschmaschine, Hersteller W. Speiser, Typ Quick, etwa gleich alt wie der renovierte Selbstbinder, will man beim Erntefest 2010 nach gründlicher Überholung in Betrieb gehen und den Dreschvorgang früherer Zeiten demonstrieren.

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