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"Serenata Espagnola": Matinee im Museum Eulenburg

Hinreißende Saitensprünge, enthusiastische Leidenschaft

Wunderbares Duett von Gitarre und Cello: Roberto Legnani und Ariana Burstein. Foto: pr. Von Ulrich Reineking

veröffentlicht am 27.03.2007 um 00:00 Uhr

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Rinteln. Seitüber zehn Jahren arbeiten der italienische Gitarrist Roberto Legnani und die argentinische Violoncellistin Ariana Burstein zusammen und haben sich in dieser Zeit speziell für den deutschen Raum zu Botschaftern der vielfältigen Musik des spanischen Kulturkreises entwickelt. Mit der Matinee "Serenata Espagnola" stellte sich das Duo am Sonntagvormittag im Museum Eulenburg vor und eroberte das zunächst etwas spröd-reservierte Publikum im Sturm. Bei der "Seguida Espagnola Antigua" von Joaquín Nin stand den Reaktionen der Zuhörer noch die deutsch-exklusive Konzerttradition entgegen, dass zwischen einzelnen Sätzen nicht geklatscht werden darf, aber schon im Beifallssturm nach dem rauschhaft gespielten "El Vito" bahnte sich an, dass die Mauern dieses Rituals nicht lange halten würden - zu eindringlich, zu beschwörend der Zauber dieser perfekten Inszenierungen, die so sehr auf Emotionen zielen und im bewegt-bewegenden Vortrag des Duos dieses Ziel mit instrumentaler Genialität und Präzision auch erreichen. Die folkloristische Vielfalt der iberischen Halbinsel mit ihren indischen, seraphisch-jüdischen, arabischen und sogar afrikanischen Einflüssen spiegelt sich in den Kompositionen von Isaac Albeniz wider, dessen schlagerhafte Stücke unter dem Einfluss seines Lehrers Franz Liszt noch um die bildnerische Kraft im Ausdruck gewannen, und wurde in einem Zyklus von inniger Schönheit und explosivem Ausdruck dargestellt. In dem wunderbaren Titel "Polo" demonstrierte Ariana Burstein die schier unendlichen Möglichkeiten ihres Instruments, und als sie dann mit einem triumphierenden Fußstampfen abbrach, begleitete die Künstler bereits anhaltender Applaus in die Pause. In der zweiten Hälfte des Programms entführten die Solisten ihr Publikum zunächst in den brasilianischen Karneval, und als dann noch die "Habanera" von Sarate erklang, herrschte (in den wohlgesetzten Grenzen Schaumburger Ausgelassenheit, versteht sich) bereits eine Stimmung wie beim Zigeunerfestival in Les Saintes-Maries-de-la-Mer und es fehlte nicht viel, dass der eine oder die andere zu imaginären Kastagnettenklängen getanzt hätte. Die enthusiastische Leidenschaft, mit der sich Gitarre und Cello so innig vereinigten, dass man mit halb geschlossenen Augen fast die hinter dieser Intensität stehenden Instrumentalisten vergessen konnte, beförderte nach den abschließenden andalusischen Volksweisen den Wunsch nach Zugabe, der von Burstein und Legnani auch generös erfüllt wurde. Welch beglückendes Erlebnis für alle, die dabei waren - und was für ein Versäumnis für alle jene, die es wohl angesichts der Zeitumstellung diesmal nicht geschafft hatten, rechtzeitig den Weg zu dieser musikalischen Matinee im Museum Eulenburg zu finden!

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