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Beutegut nach dem Krieg: US-Auktionshaus bietet Bürgerschmuck an

Historische Schützenkette per Zufall entdeckt

Rodenberg (bab). Durch die moderne Kommunikationstechnik Internet und einen Zufall hat die Stadt Rodenberg die erste Schützenkette der Stadt aufgespürt. Die von 1895 bis 1936 genutzte Kette wird von einem US-amerikanischen Auktionshaus als Sammlerstück angeboten. Die Stadt tut nun alles, um sie zum Bürgerschützenfest wieder nach Rodenberg zu holen.

veröffentlicht am 23.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 22:41 Uhr

Der Schützenkomiteeälteste Rolf Tegtmeier kennt Geschichten und Gerüchte darüber, wie die alte Kette aus Rodenberg verschwunden sein soll. Als Souvenir sollen die alliierten Amerikaner sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erbeutet haben. „Es wird erzählt, die Amerikaner hätten sie an den Panzer gehängt und sind damit durch Rodenberg gefahren“, berichtet er. „Wir wussten, dass die Kette wahrscheinlich in Amerika ist.“

Wo in den USA sie schließlich gelandet ist, war bisher ein Rätsel. Ebenso wenig wie Tegtmeier hat Rodenbergs Hauptamtsleiter Günther Wehrhahn damit gerechnet, dass die Kette je wieder auftauchen würde. Bis sich Anfang November ein Schützenbruder aus dem Sauerland bei der Stadt Rodenberg gemeldet habe. Dieser habe das Schmuckstück im Internet unter der Adresse eines Auktionshauses in New Jersey entdeckt. Offensichtlich ein versierter Sammler, konnte sich der Sauerländer denken, dass die Rodenberger scharf auf das gute Stück sind. Wehrhahn nahm sofort Kontakt zu dem Auktionshaus auf und traf dort einen verständnisvollen Auktionator, der nichts lieber täte, als die Kette wieder den rechtmäßigen Besitzern zukommen zu lassen. E-Mails wurden hin- und hergeschickt und Wehrhahn telefonierte mit dem Inhaber Thomas Wittmann, der die Kette als „Shooting Prize Chain“ anbot. Offenbar stammt die Kette aus dem Nachlass eines Privatmanns. Gelistet ist das gute Stück mit 2300 Dollar.

Das scheint den Rodenbergern im Wert angemessen. Die Detailaufnahmen, die Wehrhahn sich schicken ließ, zeugen davon, dass die Kette komplett ist. „Wie wir bisher gesehen haben, ist sie vollständig“, meint Wehrhahn. Sämtliche Bürgerschützenkönige von 1895 bis 1936 sind darauf verzeichnet. „Der Großvater von meiner Frau ist auch drauf“, zeigt sich Tegtmeier erfreut über die Dokumentation auf den silbernen Anhängern, die dem Komitee sehr hilft. So könne endlich die Liste der Rodenberger Bürgerschützenkönige vervollständigt werden. Damit kann ein Stück Stadt- und Heimatgeschichte neu geschrieben werden. Im Heimatmuseum liegt die bisher älteste Kette, die Rodenberg besitzt. Sie wurde von der derzeitigen ersetzt. Das Schmuckstück aus den USA ist der Vorläufer der beiden im Rodenberger Besitz befindlichen. „Zum Schützenfest ist sie hier“, ist Tegtmeier sicher.

Beinahe aber wäre alles schief gegangen. Der Computer im Rathaus hatte die E-Mail des Sauerländer Schützenbruders als unerwünschte „Spam-Mail“ gedeutet. So wäre die Information beinahe im elektronischen Papierkorb gelandet.

Ein Detail aus dem Bürgerschützenschmuck: C. Schlenz ist als Bürgerschützenkönig von 1908 verewigt.




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