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Vor Gericht: Staatsanwalt nimmt Berufung zurück, 21-Jähriger endgültig freigesprochen

Hitler, Hakenkreuz und SS-Runen in Auto geritzt

Rinteln/Bückeburg. Im Prozess um eine gemeinschaftliche Sachbeschädigung an einem Auto ist ein Rintelner (21) nun endgültig freigesprochen: Nach einem Freispruch in erster Instanz und eine dagegen gerichtete Berufung der Staatsanwaltschaft nahm die Anklagehörde nun ihr Rechtsmittel zurück.

veröffentlicht am 18.12.2017 um 15:42 Uhr
aktualisiert am 18.12.2017 um 18:55 Uhr

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Rinteln/Bückeburg. Im Prozess um eine gemeinschaftliche Sachbeschädigung an einem Auto ist ein Rintelner (21) nun endgültig freigesprochen worden: Nach einem Freispruch in erster Instanz und eine dagegen gerichtete Berufung der Staatsanwaltschaft nahm die Anklagehörde nun ihr Rechtsmittel zurück. Nach zweistündiger Verhandlung vor der Berufungskammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Eike Höcker stand damit fest: Der junge Mann war nicht am Zerkratzen und Demolieren eines Autos in der Rintelner Nordstadt beteiligt. Im Gegensatz zu drei 21 bis 23 Jahre alten Kumpels, die sich an dem Pkw ausgetobt hatten. Sie wurden dafür bereits rechtskräftig in erster Instanz zu Geldbußen und Arbeitsstunden verurteilt.

Der Fall: An einem Abend im Juni 2015 trafen sich die vier jungen Leute in einer Gartenlaube. Dabei floss reichlich Bier und Schnaps. Nachts machte sich das Quartett auf den Weg zu einem der jungen Männer, um dort noch etwas zu essen. Bei ihrem Streifzug durch die Nordstadt stießen sie auf einen geparkten VW Golf und beschädigten diesen. Dabei wurden SS-Runen auf die Motorhaube gekratzt, daneben der Schriftzug Hitler. Auch ein Hakenkreuz ritzte man ein. Neben diesen Worten und Symbolen wurden beide Außenspiegel abgebrochen, der Tankdeckel abgerissen und alle vier Reifen zerstochen (Schaden: 1000 Euro). Drei junge Leute gaben ihre Tatbeteiligung zu, der jetzt vor Gericht stehende Rintelner bestritt sein Mitwirken von Anfang an.

Demnach war er der einzig Nüchterne, der zudem mit seinem Motorrad unterwegs war. Während seine Kumpels das Auto beschädigten, lehnte er dies ab. Er habe auf der anderen Straßenseite gestanden und eine Zigarette geraucht. Während die drei anderen ihn in erster Instanz belastet hatten, machte nun einer von ihnen einen Rückzieher: „Er stand nur daneben“, sagte der junge Mann.

Auch für einen weiteren Vorwurf wurde der jetzt Angeklagte nicht belangt. Hierbei ging es um das Einstellen eines Bildes und eines Wortlauts in eine sechsköpfige Whats-App-Gruppe. In diese hatte er einmal einen Dolch mit einem Hakenkreuz gepostet. Ein anderes Mal handelte es sich um einen verschickten Text, in dem es um die Leugnung des Holocausts ging. Das Gericht hielt eine solche WhatsApp-Gruppe für geschlossen, nicht für öffentlich und verneinte damit eine Strafbarkeit. maf

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