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Vor Gericht: Schadenersatz in erster Instanz abgelehnt - allgemeines Lebensrisiko

Hörschaden nach Salutschüssen mit Vorderladern - Rintelner klagt

Rinteln (wm). Seit Karl Vogt, vielen Rintelnern bekannt als Gewerkschaftssekretär, von einem Ausflug mit der Rheuma-Liga nach Paderborn zurück ist, leidet er an einem Hörschaden und musste sich deshalb auch in stationäre Behandlung begeben. Schuld daran sind die Mittersiller Gebirgsschützen, die im September vorigen Jahres auf dem Rathausplatz in Paderborn 20 Vorderladerabgefeuert hatten. "Habt acht", brüllte damals der Schützenhauptmann: "Feuer", dann hat es gewaltig gerumst.

veröffentlicht am 01.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Doch während die Umstehenden sich die Ohren zugehalten haben, hatte Karl Vogt nicht die Chance dazu. Denn er lauschte gerade am Rande des Platzes den Ausführungen einer Stadtführerin und hatte die Vorbereitungen der Schützen, die ihre Gewehre geladen hatten, überhaupt nicht bemerkt. Auch andere Teilnehmer der Reisegruppe hatten nach dem Geballere über Hörbeeinträchtigungen geklagt, ihre Beschwerden sind aber im Laufe der Zeit abgeklungen. Nicht so bei Vogt, der sich im Klinikum Minden mehreren Behandlungen unterziehen musste. Der Rintelner Rechtsanwalt und Notar Dr. Egon Crombach hat jetzt den 64-Jährigen vor Gericht vertreten, der möglicherweise einen bleibenden Hörschaden behalten wird, um Schmerzensgeld und Schadenersatz zu erstreiten, unter anderem 2000 Euro für eine Druckkammer-Behandlung, die der Kassenpatient hat aus eigener Tasche bezahlen müssen. Beklagte war in diesem Fall die Stadt Büren, die das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft mit dem österreichischen Mittersill gefeiert hatte. Die Schützen hatten einen Ehrensalut für den Bürgermeister abgefeuert. Jeder Veranstalter eines Rockkonzerts sei verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen, damit die Besucher keine Schäden erleiden, legte Dr. Crombach dem Gericht dar, vor dem Salutschießen auf dem Paderborner Markplatz sei aber vorher keine Warnung ausgesprochen worden. Niemand aus der Reisegruppe sei deshalb auf den infernalischen Knall gefasst gewesen, der zusätzlich vom Schall in der engen Bebauung des Platzes verstärkt worden sei. Und anders als bei einem Rockkonzert oder einer Karnevalsveranstaltung habe sich ja auch Vogt mit der Reisegruppe nicht bewusst und freiwillig dem Lärm ausgesetzt. Im Falle Vogts könne man von einer fahrlässig herbeigeführten Körperverletzung sprechen. Der Paderborner Richter Adalbert Heine sah die Situation anders: Einen solchen Vorfall müsse man als "allgemeines Lebensrisiko" hinnehmen. Noch näher an den Schützen stehende Zuschauer hätte ja auch keinen Schaden erlitten. Was Dr. Crombach so nicht stehen lassen will: Wie auf Fotos zu sehen, hätten sich alle Umstehenden - die ja auf den Knall vorbereitet waren - die Ohren zugehalten. Auch die Argumentation der Stadt Büren, sie sei zwar Veranstalter gewesen, aber die Gewehre nicht in ihrem Eigentum, und geschossen worden sei in Paderborn und nicht in Büren, halte er für wenig stichhaltig. Auch der Hinweis des gegnerischen Anwalts, Salutschießen sei ein alter Brauch, keine Unsitte, sei da wenig hilfreich. Deshalb sei davon auszugehen, dass dieser Prozess in die nächste Instanz geht.




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