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Vor Gericht: Vernichtendes Urteilüber Verteidiger - gute Honorare kassiert und den Steuerzahler geschädigt

Hohe Haftstrafe für Boss der Eisberger Heroin-Bande

Rinteln/Bückeburg (ly). Abgerechnet wird zum Schluss: Im Drogenprozess gegen zwei Eisberger Asylbewerber hat das Bückeburger Landgericht die Angeklagten gestern schuldig gesprochen und gleichzeitig ein vernichtendes Urteil über beide Verteidiger gefällt. Der Haupttäter (29), Boss der Heroin-Bande, wurde zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt - für Bückeburg eine der bislang härtesten Strafen ineinem Drogenverfahren.

veröffentlicht am 15.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

Derältere Mann (43), selbst rauschgiftsüchtig und lediglich als "Ausführender" eingestuft, bekam drei Jahre und neun Monate Gefängnis. Mit ihrer Entscheidung folgte die 1. Große Strafkammer dem Antrag von Staatsanwalt Klaus-Jochen Schmidt. Es ging um acht Fälle, in denen Heroin aus den Niederlanden durch Kuriere über die Grenze gelangt war, jeweils etwa 50 Gramm "Stoff" von erstklassiger Qualität. Auftraggeber: die Asylbewerber. Durch eine Flut von Beweis- und Befangenheitsanträgen hatten die zwei Pflichtverteidiger dafür gesorgt, dass der Prozess sich über 14 Monate hinzog. Zum Schluss gönnte sich von Hammerstein daher einige "persönliche Anmerkungen" und schrieb den Anwälten herbe Kritik ins Stammbuch. "In über 30 Jahren als Richter bin ich noch keinem Verteidiger begegnet, der derart unprofessionell und penetrant versucht hat, einen Prozess zum Platzen zu bringen", erklärte der Vorsitzende. Die letzten 35 von insgesamt 40 Verhandlungstagen seien "mit unbegründeten Beweisanträgen ins Blaue hinein erzwungen" worden. Dies habe auch dazu geführt, dass dieAngeklagten bisher anderthalb Jahre in Untersuchungshaft hätten sitzen müssen. Zumindest derältere Drogenhändler kann sich dafür offenbar bei seinem Verteidiger bedanken. Bereits am zweiten Prozesstag hatte die Staatsanwaltschaft dem Advokaten nämlich Bewährung angeboten, ein Geständnis vorausgesetzt. "Der Mandant hätte nach Hause gehen können", so von Hammerstein. Das wäre im Juni 2005 gewesen. Statt dessen sei der Ablauf durch "Tricks" beeinträchtigt worden, "die eines Hinterhof-Anwalts würdig wären", sagte der Richter und erinnerte daran, dass auch Verteidiger Organe der Rechtspflege seien. Den Anwälten habe der Prozess gute Honorare gebracht, den Angeklagten unnötig lange U-Haft. "Den Steuerzahler hat er geschädigt." Von der Schuld der Asylbewerber ist die Kammerüberzeugt. Als glaubwürdig wurde die Aussage eines bereits zuvor verurteilten Drogenkuriers aus Rinteln eingestuft, der vor Gericht als Kronzeuge auftrat. Bis zuletzt hatte die Verteidigung versucht, die Taten einem dritten Mann in die Schuhe zu schieben, der ebenfalls in dem Eisberger Heim lebte. Im Prozess konnte sich der hochgradig heroinsüchtige Zeuge dann vor Schwäche kaum auf den Beinen halten. Von Hammerstein sieht in ihm "nicht den großen Drogenboss", dazu wäre er der Mann "psychisch und intellektuell gar nicht in der Lage" gewesen. Vor knapp zwei Jahren war der Eisberger sogar zusammengeschlagen worden. Angst vor dem jüngeren Angeklagten sei dagegen "nachvollziehbar", so von Hammerstein. Zwei Mal hatte der 29-Jährige Zeugen gedroht, diese umzubringen, "wenn ich rauskomme". Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

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