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Opfer monatelang im Krankenhaus / Autofahrerin wegen fahrlässiger Körperverletzung zu Geldstrafe verurteilt

Horrorunfall: Frau wendet – Motorradfahrer stürzt

Bückeburg (ly). Der Albtraum aller Motorradfahrer ist für einen 25-Jährigen aus Porta Westfalica wahr geworden. Ausgangs einer lang gezogenen Rechtskurve sah der Biker ein Auto, das auf seiner Fahrbahn wendete. Er hatte keine Chance, der Sturz war unvermeidlich.

veröffentlicht am 26.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:21 Uhr

Ein Sturz mit schweren Folgen. Vier Monate lang musste das Unfallopfer stationär behandelt werden, etwa die Hälfte davon auf der Intensivstation. Mehrere Organe hatten versagt, der Patient war vorübergehend in ein künstliches Koma gelegt worden. Noch heute laboriert er an den Verletzungen, darunter auch mehrere Brüche. Weitere Operationen stehen ihm bevor.

Schuld daran trägt eine 57-Jährige aus Hagen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hat das Bückeburger Amtsgericht die Frau jetzt zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt. Dies entspricht 35 Tagessätzen, mehr als einem Monatseinkommen also.

Fronleichnam 2010, in Nordrhein-Westfalen ein Feiertag. Im Schaumburger Land jedoch sind die Geschäfte geöffnet. Gegen Abend will der Portaner seine 125er Suzuki zu einem Werkstatt-TÜV in Steinbergen bringen. Von der Bundesstraße 65 biegt er nach rechts auf die B 83 Richtung Autobahn ab. Im Auto folgt ihm seine Verlobte (25). Nur noch wenige Sekunden bis zum Horror-Unfall.

Etwa zur gleichen Zeit merkt eine ortsunkundige Frau aus Hagen, dass sie auf der B 83 in der falschen Richtung Richtung unterwegs ist. Sie will nach Bad Eilsen zur Autobahn. Neben ihr sitzt eine Freundin (49) und studiert die Straßenkarte. Beide Frauen kommen von der Bückeburger „Landpartie“.

Kurz vor der Abfahrt zur B 65 wendet die Frau mitten auf der Kraftfahrstraße. Eine durchgezogene Linie überfährt sie. In dem Moment taucht aus einer Rechtskurve der Motorradfahrer auf. Angesichts des Hindernisses geht dem 25-Jährigen die Straße aus.

„Bremsen hätte keinen Sinn ergeben, dann wäre ich voll reingefahren“, wird der Portaner vor Gericht erklären. „Ausweichen blieb als einzige Möglichkeit.“ Als Auto und Motorrad auf gleicher Höhe sind, fahren beide in eine Richtung. Einen Zusammenprall mit dem Audi A4 kann der junge Mann vermeiden, nicht jedoch den schweren Sturz rechts neben der Fahrbahn.

Glaubt man der Frau, hat ein Mini kurz zuvor an derselben Stelle ebenfalls gewendet. Richter Armin Böhm nennt dieses Phänomen den „Nachzieh-Effekt – der eine macht es vor, der andere zieht hinterher“.

Von einer Verurteilung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, von der Staatsanwaltschaft gefordert, sieht das Gericht ab. Dazu hätte der Angeklagten nachgewiesen werden müssen, dass ihr Verhalten nicht nur grob verkehrswidrig, sondern darüber hinaus auch rücksichtslos gewesen sei.

„Sie ging aber davon aus, dass die Straße frei war“, so Richter Böhm. „Kein Mensch unterstellt ihr Absicht“, erklärt Dr. Dieter Wissgott, der Rechtsanwalt des Opfers.

„Tausendmal habe ich mich gefragt, warum ich das gemacht habe“, so die 57-Jährige (keine Vorstrafen, null Punkte in Flensburg). „Ich kann nur sagen: Es tut mir leid.“




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