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Ausschreibung für Rheumaklinik kann juristisches Nachspiel haben

Hotelier will Vergabepraxis vom Ministerium überprüfen lassen

Bad Nenndorf (rwe). Die Vergabe des Catering für die Rheumaklinik durch das Staatsbad Nenndorf könnte politisch und juristisch ein Nachspiel haben. Hotelier Klaus Pittack jr. prüft jedenfalls, ob er die Vergabekammer im Wirtschaftsministerium anrufen und den Umgang mit dem Millionenauftrag an „Exclusiv Catering“ in Detmold prüfen lassen soll.

veröffentlicht am 01.12.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 05:22 Uhr

Ob das Vorgehen gegen die vom Land mitgetragene Entscheidung etwas bringt, ist jedoch fraglich. Der Vertrag ist unterschrieben und gilt mindestens ein Jahr, so Interimsgeschäftsführer Heinz-Hermann Blome. Er hatte aus Zeitgründen auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet (wir berichteten) und bei der „Angebotsherbeiziehung“ auch ohne eine genauere Leistungsbeschreibung operiert, was nach Ansicht der unterlegenen Caterer einen objektiven Vergleich ausschließt. Eine Wiederholung der Ausschreibung gilt aber als unwahrscheinlich. Vielmehr könnte ein Caterer den entgangenen Gewinn einklagen. Dazu müsst er aber den schwierigen Beweis bringen, dass er im Zuge einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag hätte bekommen müssen.

Warum in dem umstrittenen Verfahren jetzt das Angebot aus Detmold günstiger gewesen sein könnte als seines oder das des bisherigen Versorgers Perfekta, dafür hat Pittack eine Erklärung. Der neue Betreiber spare am Personal. Denn das Staatsbad hatte stets einen Betriebsübergang versichert, der eine Übernahme der Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen vorgeschrieben hätte.

Im Gegensatz zu Pittack ist bei Perfekta in Langenhagen das Kapitel Staatsbad Nenndorf abgeschlossen. „Das ist nicht unser Stil“, heißt es dort über Blomes Umgang. Im Grunde begann das Dilemma schon vor zwei Jahren. Der langjährige Betreiber Dirk Busch warf mit seiner Firma Agricola die Brocken hin, weil zu den Konditionen die in seinen Augen erforderliche Qualität nicht machbar war. Bereits im Mai 2008 hatte das Staatsbad seine Kündigung schriftlich, doch der damalige Geschäftsführer Peer Kraatz dachte zwischenzeitlich daran, die Versorgung selbst zu übernehmen, wozu es aber doch nicht kam. Monatelang tat sich nichts. Erst im Herbst beauftragte er Gastro-Berater Uwe Hillmann. Dieser erstellte unter Zeitdruck eine beschränkte Ausschreibung samt umfangreichem Leistungsprofil. Am Ende bekam Perfekta den – befristeten – Zuschlag.

Heute sind die Langenhagener darüber gar nicht mehr glücklich. „Wir haben draufgelegt“, heißt es nur. Wegen der Bauarbeiten in der Klinik und dem Gästehaus musste das Catering immer wieder umstrukturiert werden, die Dependance in der Kurklinik Schaumburg wurde geschlossen, die Zahl der Patienten erreichte demnach nie die versprochene Größe. Weil die Kantine für Monate geschossen werden musste, trat Perfekta im April die Versorgung samt Mitarbeitern ab an die Familie Pittack, die für den Klinikbetrieb ihre „Orangerie“ zur Verfügung stellte und auch in die Ausstattung investierte. Nun schauen beide in die Röhre.




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